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Gott sei Dank keine Habsburger mehr an der Macht

Habsburg und die SPÖ

„Ich habe sie alle gekannt“, 10. November
Das Interview mit Otto Habsburg hat wieder einmal gezeigt, welche außergewöhnliche Persönlichkeit er ist, und war sehr interessant. Auf die Frage, warum seine Ablehnung gerade in Österreich so groß sei, antwortete er u.a.: „Es gibt eine Partei in diesem Land, gegen die ich grundsätzlich gar nichts habe. Denn mit den ungarischen Sozialdemokraten stehe ich mich wirklich sehr gut. Aber hier in Österreich stehen die nicht gut mit mir. Die haben ja immerfort gehetzt.“

Wie Recht er da wohl hat: Ich hatte im Frühjahr 1961 beruflich in Wien zu tun und habe mir den Aufmarsch der Sozialisten am 1. Mai angeschaut. Wahrscheinlich war das damals – rückblickend betrachtet – fast der Höhepunkt der Habsburger-Hetze. Jedenfalls marschierten bei diesem Aufmarsch sozialistische Jugendgruppen mit, die mit Transparenten und Sprechchören wie „Unser Motto – niemals Otto“ und „Otto Habsburg dieser Schuft – in die Kapuzinergruft“ bei der Ehrentribüne beim Wiener Rathaus vorbei. Auf dieser Tribüne stand die ganze Prominenz der Sozialisten – allen voran ihr Vorsitzender Dr. Bruno Pittermann – und hat heftig applaudiert. Das hat mir zu denken gegeben!

Werner Gächter

6842 Koblach

Aussage nicht akzeptabel

Trotz aller Hochachtung vor dem greisen Dr. Otto Habsburg kann ich seine Aussage, für viele Untertanen wäre Kaiser Franz Joseph ein „bisschen wie Gottvater“ gewesen, so nicht akzeptieren. Ich erinnere mich des – nach dem Ende der Zensur und dem Fall des strafbaren Deliktes „Majestätsbeleidigung“ veröffentlichten Gedichtes von Karl Kraus über Franz Joseph:
„Wie war er? War er dumm? War er gescheit?
Wie fühlt' er? Hat es wirklich ihn gefreut?
War er ein Körper? War er nur ein Kleid?
War eine Seele in dem Staatsgewand?
Formte das Land ihn? Formte er das Land?
Trug ein Gesicht er oder einen Bart?
Blieb nichts ihm, nur das Wesen selbst erspart?
War die Figur er oder nur das Bild?
War er so grausam wie er altersmild?
Zählt' er Gefallne wie erlegtes Wild?
Hat er's erwogen oder frisch gewagt?
Hat er auch sich, nicht nur die Welt geplagt?
Wollt' er die Handlung, oder bloß den Akt?
Wollt' er den Krieg? Wollt' eigentlich er nur
Soldaten und von diesen die Montur,
von der den Knopf nur? Hatt' er eine Spur
von Tod und Liebe und vom Menschenleid?
Nie prägte mächtiger in ihre Zeit
jemals ihr Bild die Unpersönlichkeit.“
(„Die Fackel“, Heft Nr. 551, XXII. Jahr, S. 18)

Mag schon sein, dass ein Mensch, dem jegliches soziales Empfinden fehlte, von den Reichen, vom Adel und den Beamten als Gottvater angesehen wurde. Das „gemeine“ Volk war froh, ihn und seine Monarchie los zu sein, wie es 1919 bewiesen hat.

Dr. Peter Mitmasser
2351 Wiener Neudorf

Unverständliches Interview

Dieses Interview mit Otto Habsburg kann man leider nicht unkommentiert lassen, und es ist mir unverständlich, dass eine Zeitung wie „Die Presse“ dies macht, obwohl sie sich sicher als eine „Qualitätszeitung“ betrachtet:
1) Zum Versuch Kaiser Karls, den Königsthron in Ungarn zurückzuerobern: Es ist vollkommen falsch, dass Reichsverweser Miklós Horthy sich gegen König Karl gestellt hat. Horthy wollte sein Vaterland vor der sogenannten „kleinen Entente“ (Tschechoslowakei, Rumänien, Jugoslawien) beschützen, welche, für den Fall der Thronbesteigung Karls in Budapest, mit sofortigem Einmarsch ihrer Truppen nach Ungarn gedroht hatten. Da Ungarn wirtschaftlich und militärisch vollkommen ausgeblutet war, wäre es für die Truppen dieser Länder ein Leichtes gewesen, bis Budapest zu marschieren. Und die Unterstützung Frankreichs war wohl nur symbolisch gemeint, denn Frankreich hätte damit mit seinen Truppen durch Deutschland und Österreich marschieren müssen, um Ungarn gegen die „kleine Entente“ zu unterstützen. Dies ist außerdem ziemlich unwahrscheinlich, da Rumänien und Frankreich damals Verbündete waren.

Außerdem ist hiezu noch zu bemerken, dass kein Habsburger legitimiert ist, die ungarische Krone zu tragen. Ungarn war wohlgemerkt eigentlich immer ein Wahlkönigreich, und die Habsburger wurden ja nicht von den ungarischen Adeligen auf den Thron gewählt. Weiters muss man anmerken, dass die ungarische Krone in Ungarn selbst eine juristische Person ist und diese daher keinen Träger braucht.
2)Herr Habsburg sagt, er hat überhaupt kein Problem damit, ein demokratisch gewähltes Parlament aufzulösen und Gewerkschaften zu verbieten (wie Dollfuß). Dies ist ja wohl als gefährliche Drohung zu verstehen, und man muss glücklich sein, dass er nie mehr in Österreich politisch tätig werden darf.
3) Zur besonderen Unterstützung Ungarn durch Habsburg nach 1945: Nun besondere Unterstützung haben die Ungarn durch Habsburg ja nie erfahren... Schon gar nicht nach 1945 und besonders nicht im Jahr 1956, wo ja alle „großartigen“ Freunde weggesehen haben, als die ungarische Revolution von der Sowjetunion niedergewalzt wurde. Österreich ausgenommen, aber da waren ja auch Gott sei Dank keine Habsburger mehr an der Macht.
4)Zum Punkt der Rückerstattung und Verzichtserklärung: Dass ein Staat, welcher aus einer Monarchie hervorgeht, die frühere Herrscherfamilie auffordert, eine Verzichtserklärung auf politische Ämter zu unterschreiben, ist ja wohl in der heutigen Zeit kein großes Problem mehr. Wenn die Habsburger vielleicht nicht so ein großes Aufhebens um ihre Situation gemacht hätte, wer weiß, was sie alles bekommen hätten... Und dieser Verzicht galt ja nur für die Generation Ottos, nicht, wie man leidlich weiß, für seinen Sohn Karl, der ja eine wirklich „glänzende“ Karriere als Abgeordneter zum Europaparlament hatte.

Maximilian Marquet
1090 Wien

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2007)