Ballett. An der Volksoper werden Wilhelm Buschs Lausbuben „Max und Moritz“ lebendig. Ein Spaß, bisweilen wilder Klamauk – hinreißend, vor allem für Kinder.
Man möchte meinen, sie wären direkt der Feder des Meisters persönlich entsprungen: Der etwas linkische Schneidermeister Böck mit der ellenlangen Nase, der verstockte Lehrer Lämpel an der qualmenden Orgel, der kläffende Spitz und die kugelrunde Witwe Bolte, die in dieser Produktion von einem Mann getanzt wird. Samuel Colombet hat dabei demonstrativ seine liebe Not und wirkt – um einige Polster und viele Kleidergrößen verstärkt – komisch wie ein Walross, das zu den Arrangements von Rossini-Musik (beschwingtes Dirigat: Andreas Schüller) vergeblich versucht, auf Spitzenschuhen zu tanzen.
Erfolg seit 1984
„Max und Moritz“ als Ballett auf die Bühne zu bringen ist einerseits ein Wagnis. Weil der Sprachwitz des Wilhelm Busch notabene verloren gehen muss. Was bleibt, sind die Figuren und das charmante Mini-Universum, in dem die beiden frechen Kerle erst ihr Unwesen treiben und dann zur Strecke gebracht werden. Andererseits ist die Sache auch wieder nicht so riskant: 1984 hat Edmund Gleede das Stück in München auf die Bühne gebracht – und einen Publikumserfolg gelandet. Ferenc Barbay (er tanzte damals den Max) und Michael Kropf (er war der Schneider) haben an der Volksoper unter der Regie von Gleede die Choreografie gemacht – und sich weitestgehend an Buschs Vorlage gehalten.
Manfred Waba hat dessen Zeichnungen eins zu eins verwirklicht: die Küche der Witwe, von deren Ofen die Buben die Brathühner stibitzen; die Krabbelkäfer, die an der Decke schweben und auf ihren Einsatz beim Schabernack warten – und natürlich „ricke, racke, geht die Mühle mit Genacke“ das Reich des Müllers, der den beiden endgültig das Handwerk legt, um sie an das Federvieh zu verfüttern. Auch Friederike Singers Kostüme sind weitgehend originalgetreu, als hätte sie Busch selbst entworfen – auch wenn der Meister Müller (Adrian Cunescu) wirkt, als hätte sich Obelix ins falsche Stück verirrt.
Kunstfertig und quirlig: Max & Moritz
Max und Moritz? Sie sind wunderbar besetzt: Daniil Simkin (Max) ist ein herausragender Tänzer und hat neben höchster Präzision und technischer Kunstfertigkeit auch noch die Leichtigkeit, einer so schwierigen und übermütigen Figur authentische Züge zu verleihen. Auch Denys Cherevychko macht als quirlig-clownesker Moritz sehr gute Figur. Silvia Schreger kann als Frau Böck ein überzeugend komödiantisches Talent ausspielen – und bügelt dem Gatten (Florian Hurler) mit viel Dampf den Bauch, dass es nur so eine Freude ist. Wie schon beim „Nussknacker“ an der Staatsoper kommen wieder die Schüler der Ballettschule zum Einsatz und zu Geltung. Auch wenn das Szenario an manchen Stellen in effekthaschenden Klamauk umschlägt (Putzfrauen in roten Spitzenschuhen, ein staksiger Schwanensee-Verschnitt am Unglücksbach, das Feuerwehr-Ballett nach der Pfeifenexplosion oder Patrik Hullman als debil dreinblickender Bäcker...), letztlich ist das Ganze ein hinreißender Spaß – vor allem für Kinder.
Weitere Vorstellungen: 16., 25., 28.November, 5., 10., 11.Dezember.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2007)