Glücksspiel: Century vor Einstieg in Indien

Century
  • Drucken

Der Betreiber von Casino-Resorts will die Zahl der Spielstätten in fünf Jahren auf 40 verdoppeln und plant dafür eine Kapitalerhöhung. Auch Österreich bleibt Zielmarkt.

Kapstadt/wien. Das Match um den Lotterienanteil der Bawag ist entschieden, noch bevor es richtig los gegangen ist – die Casinos Austria haben vorige Woche das Paket gekauft. Die an der US-Technologiebörse Nasdaq und der Wiener Börse gelistete Century Casinos, die sich – so wie Bwin und die Novomatic – auch für den Lotterienanteil interessiert hat, gibt den bis 2012 monopolisierten österreichischen Glücksspielmarkt dennoch nicht auf.

„Wir werden uns das sicher anschauen, wenn die Lizenzen für Spielcasinos neu vergeben werden“, kündigen die beiden Century-Gründer Erwin Haitzmann und Peter Hötzinger, die 17,5 Prozent am Unternehmen halten, an. „Wir glauben, dass Spielcasinos auch hierzulande ein Geschäft sein können, wenn die Spielbank in ein Resort einbettet ist mit Hotel und Freizeit-, Sport-, Einkaufs- und Unterhaltungsangebot.“

Mit dieser Strategie sind die beiden Österreicher, die 1992 das erste Casino-Projekt im US-Staat Colorado starteten, bisher erfolgreich gewesen. Anlässlich eines Lokalaugenscheines in Südafrika, wo Century zwei Casino-Resorts in Newcastle und Caledon betreibt, kündigten Haitzmann und Hötzinger für 2007 ein Rekordergebnis an. Das Neun-Monats-Ergebnis liegt im Trend: Die Nettoerlöse stiegen um 79 Prozent auf 68,5 Mio. Dollar (46,9 Mio. Euro).

Trotz Abschreibungen und Kosten für die 2006 neu eröffneten Casinos in den USA (Colorado), Südafrika (Newcastle) und Kanada (Edmonton) sank der Nettogewinn nur leicht von 4,8 auf 4,5 Mio. Dollar. Zum Vergleich: Casinos Austria erzielten mit ihren zwölf österreichischen Spielstätten im Gesamtjahr 2006 Umsatzerlöse von 164 Mio. Euro und einen Nettogewinn von 5,8 Mio. Euro.

Bis sich in Österreich der Markt öffnet, will das Unternehmer-Duo indes rund um den Globus einige Jackpots landen. Das ehrgeizige Ziel: eine der führenden international tätigen Glücksspielgesellschaften zu werden. Die wichtigste Voraussetzung für einen Einstieg in einen neuen Markt seien ein regulierter Glücksspielmarkt. Haitzmann und Hötzinger verfolgen acht konkrete Projekte. Der Kapitalbedarf von bis zu 100 Mio. Euro könnte über eine Kapitalerhöhung von der Börse kommen. „Wir haben aber 60 Prozent Eigenkapital, können also auch selbst einiges finanzieren“, sagt Hötzinger.

Fußball-WM und Olympiade

•In Südafrika sind noch sieben von 40 Casino-Lizenzen zu vergeben. „Zwei Provinzen sind interessant“, sagt Hötzinger, „wobei es auch möglich ist, dass wir bestehende Spielstätten übernehmen.“ Was eine Expansion in Südafrika so interessant macht: Die Fußball-WM 2010 soll dem Land einen enormen Schub bringen.
•In Indien läuft gerade die Lizenzvergabe in der Provinz Goa. „Indien ist ein Markt mit gigantischem Wachstum, den man sich nicht entgehen lassen kann“, so Haitzmann. Auch eine weitere indische Provinz könnte bald Lizenzen vergeben.
•In Nordamerika werden drei Projekte geprüft, die „weit größer“ als Edmonton sind. Das Casinos im kanadischen Wintersportort, das von den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver profitieren soll, verfügt über 654 Spielautomaten und 32 Spieltische und ist damit mehr als doppelt so groß wie das größte österreichische Casinos in Baden.
•In Polen soll die Beteiligung an der Casinos Poland Ltd. (acht Spielstätten) von 33 Prozent auf die Mehrheit aufgestockt werden.

Wenn ein Großteil der Projekte aufgeht, könnte Century in den nächsten fünf Jahren die Zahl der Casinos-Resorts von derzeit 19 verdoppeln. Denn auch in Großbritannien ist der Markt in Bewegung, auch wenn die Regierung die Vergabe von 16 Glücksspiellizenzen aufgeschoben hat.

AUF EINEN BLICK

Erwin Haitzmann hat das Geschäft mit Glücksspiel bei Casinos Austria von der Pike auf gelernt. Mitseinem Partner

Peter Hötzinger (re.) gründete er 1992 Century Casinos. Das Unternehmen will die Zahl der Spielstätten in fünf Jahren auf 40 verdoppeln. Acht Projekt, darunter der Einstieg in Indien, werden derzeit verhandelt.

Der Century-Aktie, die an der Nasdaq und in Wien notiert und seit Jahresmitte auf Talfahrt ist, sollte die Expansion Auftrieb geben. Sal. Oppenheim bestätigt die „Buy“-Empfehlung und das Kursziel von 9,10 Dollar. [Century]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.11.2007)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.