Will Österreich seine Umweltverpflichtungen erfüllen, wird es um eine ehrliche Diskussion über Kraftwerke nicht herumkommen.
Keine Angst, das Donaukraftwerk Hainburg wird nicht gebaut. Zumindest nicht so bald. Dazu sind die Emotionen um die „Schlacht in der Au“ noch zu frisch. Und dazu sind die österreichischen Ministerien, Vorstandsetagen und Redaktionen noch zu voll von Leuten, die damals, vor ziemlich genau 26 Jahren, als junge Idealisten diese „Schlacht“ gegen die Kraftwerksbauer – höchst erfolgreich – geschlagen haben.
Aber natürlich hat WKÖ-Präsident Leitl recht, wenn er meint, dass sich die Welt im vergangenen Vierteljahrhundert weitergedreht hat und dass sich deshalb die „Güterabwägung zwischen Naturschutz und Energieerzeugung“ ein bisschen ändern müsse.
Seit der „Schlacht um die Au“ ist der Energieverbrauch explodiert, die Treibhausgas-Problematik ist bewusst geworden, die geopolitische Lage – und damit die Öl-Versorgungssicherheit – hat sich dramatisch geändert. Darauf muss verantwortungsvolle Politik reagieren. Mit echten Energiesparmaßnahmen (da gibt es noch wirklich zu tun) und mit der vollen Nutzung aller wirtschaftlich zur Verfügung stehenden erneuerbaren Energien. Dazu gehört eben auch die vielerorts aus Umweltgründen blockierte Nutzung der Wasserkraft.
Diese Diskussion wird weniger verlogen geführt werden müssen als die um die Kernkraft, bei der sich die Österreicher gegenseitig zur „Atomfreiheit“ gratulieren, gleichzeitig aber fast ein Viertel ihres Strombedarfs aus ausländischen Kernkraftwerken beziehen. (Bericht: S.21)
josef.urschitz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.11.2007)