Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Alt regiert, Jung verliert

AP
  • Drucken

Außertourliche Erhöhung der Pensionen heizt den Konflikt Jung/Alt neu an. Die Pensionisten dominieren und sind ein Machtfaktor, die Zahl der älteren Wahlberechtigten steigt.

Wien (ett/aich). Die von der Regierung zugestandene deutlich stärkere Anhebung der Pensionen im kommenden Jahr führt zu neuen Spannungen zwischen den Generationen. Die Kritik von Pensionsexperten häuft sich, dass die außertourliche Erhöhung zu einer „nachhaltigen Belastung“ des Pensionssystems führt, die auf Kosten der Aktiven und der Jungen geht. Wer zu den Pensionisten umverteile, müsse zumindest dafür sorgen, dass die Österreicher bis zum gesetzlichen Pensionsalter arbeiten. Und dieses könne auch nicht seit den Maria Theresianischen Zeiten ewig unverändert bleiben, warnt Sozialexperte Bernd Marin im „Presse“-Gespräch.

Zuletzt hatte die Pensionskommission aufgrund der stärker als angenommen steigenden Lebenserwartung noch keinen Grund für eine neue Reform gesehen, allerdings wird schon im Februar 2008 diesbezüglich ein neuer, überarbeiteter Bericht erstellt. Vizekanzler Wilhelm Molterer bekräftigte, die Pensionsanpassung werde in die Beratungen über die Zukunft des Systems einfließen.

Politisch gesehen handelte die Regierung mit ihrem Nachgeben gegenüber den Forderungen der Seniorenorganisationen nach einer stärkeren Erhöhung rational.


Umkehr seit 90er-Jahren

Tatsächlich werden die Pensionisten durch ihre wachsende Zahl immer mehr zum dominierenden Faktor in der Innenpolitik. Bei der Nationalratswahl im Oktober 2006 gab es insgesamt rund 6,1 Millionen Wahlberechtigte. Ende 2006 gab es nach den Daten des Hauptverbandes immerhin 1,863.040 Pensionsbezieher, davon 1,090.557 Frauen und 772.483 Männer.

Nach den Zahlen der Statistik Austria hat insgesamt der Anteil der älteren Menschen an den Wahlberechtigten in den vergangenen Jahren zugenommen. Nach den jüngsten Daten aus dem heurigen Jahr gibt es rund 1,759 Millionen Österreicher, die 60 Jahre oder älter sind (23,5 Prozent der Gesamtbevölkerung). Zum Vergleich: Die jüngste Wählergruppe, jene der 16- bis 29-Jährigen, kommt nur auf 1,244 Millionen (16,6 Prozent). Anfang der 90er-Jahre hatten hingegen die Jungen (22 Prozent) gegenüber den Alten (21,1 Prozent) noch knapp die Nase vorn gehabt.

Die Regierungsspitze verteidigte nach dem Ministerrat am Mittwoch ihr Entgegenkommen gegenüber den Senioren. „Das ist eine Pensionserhöhung nicht für die Experten, sondern für die Menschen“, sagte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. Ein Präjudiz für die nächsten Jahre wollten darin weder Gusenbauer noch Molterer sehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.11.2007)