Peter Turrinis „Der Diener zweier Herren“ in einer plumpen Inszenierung.
Was ist ein Klassiker? Carlo Goldonis Meisterstück von 1743 ist einer, die Vollendung, die Überwindung der Commedia dell'arte. An ihn reicht Turrinis Fassung, die in Venedig 1920 spielt, nicht heran, obwohl der Vollblut-Poet mit italienischen Wurzeln um überraschende Wendungen bemüht ist. Das Spektakel, bei dem ein Kriegsheimkehrer in die Rolle des Arlecchino schlüpft (Gregor Bloéb) und andauernd der Genarrte ist, gerät ein wenig zu schwerblütig. Und die Inszenierung von Direktor Herbert Föttinger ist obendrein tapsig.
Bei Turrini handelt Pantalone (Heribert Sasse) als schmieriger Frächter Sansuga Sacchi mit gefrorenen Chinesen, die er zur Bestattung in die Heimat zurückschifft. Die eisige Metapher fasst auch die Premiere vom Donnerstag zusammen: komödiantische Tiefkühlkost, der kräftigere Würzung nicht geschadet hätte.
Das soll nicht die Leistung der Schauspieler schmälern. Bloéb ist als bodenständiger und sympathischer Kerl zu bewundern, den eine Dame als Herr (Maya Bothe) und ein Herr als Dame (Florian Teichtmeister) auf der praktischen Treppenbühne (Rolf Langenfass) zum Laufen bringen.
Drassl drall und toll
Gerti Drassl spielt drall und toll Smeraldina, die einzige humane Figur neben den Ungeheuern, die Arlecchino ausbeuten. Der Rest bleibt so simpel, wie es sich gehört. Brighella, der Wirt (Erich Altenkopf), ist bitterböse, umso herziger ist seine Magd Fiona (Eva Mayer), die Tochter Sacchis (Hilde Dalik) wurde als Karikatur von Paris Hilton angelegt, ihr Verlobter (Manuel Witting) als anonymer Schnösel, wie man ihn in jedem Lokal mitten im Achten antrifft. Toni Slama, der Dottore, wirkt glaubwürdig als Rechtsverdreher. Berührend spielt Alexander Grill den alten Arlecchino, der seinen Job als Überlebenskünstler mit Selbstmord beendet.
Das Italienische in der Josefstadt hätte aber Potenzial. Weniger Moral, ein paar Turnübungen mehr bei der Korrektur der faden Regie – das müsste doch in den kommenden Wochen möglich sein. Die Commedia del'arte, sie lebt von der Improvisation. So viel Herz könnte man sich in der jungen Josefstadt doch fassen!
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2007)