Vom Milchgesicht zum „Sexiest Man Alive“

(c) EPA (Franck Robichon)
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Porträt. Matt Damon ist „Best Friend“ von Brad Pitt und George Clooney, spielt nur in erfolgreichen Filmen und gilt seit kurzem auch noch als „sexy“. Wie macht das der Mann?

Es ist exakt zehn Jahre her, als Matt Damon zum ersten Mal auffiel. Als sehr intelligenter, aber verhaltensauffälliger Will Hunting im gleichnamigen Film „Good Will Hunting“. Damals hatte man den Newcomer, der gemeinsam mit seinem (zu dieser Zeit ebenfalls noch weitgehend unbekannten) besten Freund Ben Affleck das Drehbuch zu dem Gus Van Sant-Film gedreht hatte, zwar mit einem Oscar für seine schauspielerische Leistung geehrt. Niemals hätte man aber das „Milchgesicht“, wie viele ihn nannten, zum „Sexiest Man Alive“ gewählt.

Im Jahr 2007 ist das anders. Das US-Magazin „People“ hat den mittlerweile 37-jährigen Amerikaner am Donnerstag zum erotischsten Mann des Jahres gewählt. Und das kam für viele überraschend. Am allermeisten für Matt Damon selbst. „Ihr habt einem alternden Vorstadt-Vater den Ego-Schub seines Lebens gegeben“, meinte Damon kurz nachdem er von der „Auszeichnung“ erfahren hatte. Dabei ist der Vater der einjährigen Isabella und Stiefvater der neunjährigen Alexia vermutlich mächtig stolz, zwei seiner engsten Freunde, Brad Pitt und George Clooney, nun auch auf diesem Gebiet eingeholt zu haben. Die beiden um einige Jahre älteren Kollegen trugen den Titel bereits mehrmals (Clooney erst im Vorjahr) und wurden von unzähligen anderen Magazinen in ähnlich klingenden Kategorien zum Sieger gewählt. Die drei Schauspieler gelten seit den Dreharbeiten zu „Ocean's Eleven“ (und den beiden Fortsetzungen) als erfolgreichstes und einflussreichstes Trio Hollywoods.


Aber auch ohne die beiden Herren Pitt und Clooney läuft's für Damon seit einiger Zeit wirklich gut. Im Juli 2007 erhielt der aus Massachusetts stammende Schauspieler, der sein Studium an der Harvard University für das Leben in Hollywood abbrach, einen Stern am Hollywood Walk of Fame.

Knapp einen Monat später, im August 2007, wählte ihn das US-Magazin „Forbes“ zum profitabelsten Schauspieler Hollywoods, dicht gefolgt von Brad Pitt auf Platz Zwei.

Der Erfolg hat bei Matt Damon einen Namen. Der Erfolg heißt Jason Bourne. Und Matt Damon weiß das auch. Als er im Jahr 2002 nach einer Reihe von gefloppten Filmen die Rolle des Jason Bourne in der „Bourne Identität“ annahm, hoffte er, dass ihn diese Produktion endlich aus der Karriere-Sackgasse führen würde, in der er vorher ein paar Jahre festsaß. Und sie tat es. Übrigens mit Hilfe einer deutschen Kollegin, Franka Potente, die danach ihrerseits von Hollywood enttäuscht nach Deutschland zurückkehrte.

Und wie das mit Erfolgen so ist, folgte auf die „Bourne Identität“ die „Bourne Verschwörung“ und erst vor ein paar Wochen auch noch das gleichnamige Ultimatum. Bei der Promotion-Tour für den Film durch Europa und Japan, wo Damon wegen seiner großen Augen besonders beliebt ist, präsentierte sich Damon als erfolgreicher Strahlemann. Ein Strahlemann, der gerne darauf hinweist, wie glücklich er mit Frau Luciana Bozán und den beiden Töchtern ist. Nun, Damon ist also erfolgreich, glücklich mit seiner Familie, er hat einflussreiche Freunde, aber ist er wirklich sexy?

Das Ergebnis der „People“-Wahl lässt vielmehr annehmen, dass innerhalb der erfolgreichen Oberschicht des Hollywood-Kosmos mal ein jeder zum Zug kommt. Und weil Damon in diesem Jahr schon alle anderen Ehren zuteil wurden, die man in Hollywood so bekommen kann, beschenkte ihn nun auch das „People“-Magazin mit ihrer bescheidenen Auszeichnung.

ZUR PERSON

Matt Damon (*Okt. 1970 in Massachusetts) gilt als einer der einflussreichsten Schauspieler Hollywoods. Seinen Durchbruch schaffte er mit „Mut zur Wahrheit“ und „Good Will Hunting“, bei dem er auch das Drehbuch schrieb. Weitere Erfolge: Die „Bourne-Trilogie“, „Oceans Eleven“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2007)

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