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„LEBENSBORN“: Babys für den Krieg

Geheimnisumwittert, von einem gehörigen Hautgoût sexueller Fantasien beflügelt, so geistert der Begriff „Lebensborn“ durch die Geschichte. 1935 vom „Reichsführer-SS“ (vormals Hühnerzüchter) Heinrich Himmler mit dem Ziel gegründet, das Überleben des deutschen Volkes durch „rassisch und erbbiologisch wertvollen“ Nachwuchs zu sichern, dienten die Heime werdenden ledigen Müttern, wo sie eine gute Aufnahme fanden. Der Autor rückt Spekulationen zurecht, etwa jene, es habe sich um „Begattungsfabriken“ der SS gehandelt, um Zuchtstationen. Wahr ist vielmehr, dass viele höhere (verheiratete) NS-Funktionäre die Heime schätzten, um eine schwangere Geliebte dorthin abschieben zu können. Allerdings herrschte da höchste Alarmstufe, weil sich der Reichsführer-SS höchstselbst um derlei missratene Funktionäre kümmerte. Bitten verlassener Frauen ging Himmler gern persönlich nach und nicht immer blieb der unmoralische Lebenswandel seiner Unterführer ohne Sanktion. Himmler konnte auch „gütig“ sein. So gestattete er ausnahmsweise die Aufnahme einer nur 1,48 Meter großen „Arbeitsmaid“ („vorwiegend ostisch“), weil diese ihrem Volk unbedingt ein Kind schenken wollte. Unmenschlich dagegen die „Eindeutschungsaktionen“, bei denen Kinder aus den besetzten Gebieten entführt und hier ihrer Identität beraubt wurden. Die Schicksale derartiger „Lebensborn-Kinder“ werden nachgezeichnet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2007)