Düstere Prognose der Investmentbank Goldman Sachs: Die Auswirkungen der Finanzkrise werden noch bis Weihnachten 2008 spürbar sein.
Gestern verkündete der Schweizer Rückversicherungskonzern Swiss Reinsurance Verluste in der Höhe von 733 Mio. Euro aufgrund der US-Kreditkrise. Nun schockt eine düstere Prognose der Investmentbank Goldman Sachs, wonach die Auswirkungen der Kreditkrise noch bis Weihnachten 2008 spürbar sein werden, die Finanzwelt. Auch das Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) geht von einer Verschlechterung des Weltwirtschaftsklimas aus.
Kreditkrise wird sich noch 12 Monate auswirken
Die Investmentbank Goldman Sachs sieht auf die US-Finanzwirtschaft weitere drastische Belastungen im Zuge der Kreditmarktkrise zukommen. Die Preise für Eigenheime fielen weiter und Abschreibungen nähmen zu, hieß es in einem Bericht führender Finanz-Analysten der Bank. Zudem seien einige Hypotheken-Versicherer zu einer Kapitalerhöhung gezwungen, um zu überleben. Bei forderungsbesicherten Anlagen (CDO's), die mit Hypotheken in Zusammenhang stünden, könne es branchenweit weitere Wertverluste von 150 Mrd. Dollar (102,4 Mrd. Euro) geben.
Die Goldman-Experten sagten voraus, dass es trotz der jüngsten Kursverluste bei Finanz-Firmen noch zwölf bis 18 Monate dauern werde, bis es zu einer Konsolidierung in der Branche komme. Schon zuvor war aus dem Bericht bekanntgeworden, dass Goldman bei der größten US-Bank Citigroup wegen der Kreditkrise in den kommenden Monaten mit Abschreibungen in Höhe von 15 Mrd. Dollar rechnet. Bis Ende 2008 erwartet Goldman zudem Abschreibungen in Höhe von 13 Mrd. Dollar bei Merrill Lynch und von bis zu acht Mrd. bei Morgan Stanley.
Weltwirtschaftsklima eingetrübt
Gleichzeitig fiel das Konjunkturbarometer für das vierte Quartal um mehr als 14 Punkte auf 99,3 Punkte. Das teilte das Münchner Ifo-Institut am Dienstag mit. Am stärksten verschlechterte sich das Klima in Nordamerika. In Europa war die Stimmung etwas gedämpft und in Asien nur leicht eingetrübt. "Die ungleiche Entwicklung bietet die Chance, dass die Finanzkrise global nicht allzu tiefe Bremsspuren hinterlassen wird", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters den Ifo-Experte Gernot Nerb.
Zu Stimmungseintrübung in Europa trägt neben der Finanzkrise auch die Stärke des Euro bei, der am Dienstag mit 1,4778 erneut ein neues Hoch zum Dollar markierte. Die US-Währung und der japanische Yen gelten unter den vom ifo befragten Experten weiter als unterbewertet.
"Zu früh, Entwarnung zu geben"
Auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sieht nach den jüngsten Ankündigungen weiterer Milliardenabschreibungen von US-Banken wieder eine erhöhte Unsicherheit an den Finanzmärkten. Die Nervosität an den internationalen Finanzmärkten hat sich wieder erhöht", bestätigte er gestern auf der 10. "Euro Finance Week" in Frankfurt. "Besonders in den USA droht ausgehend von einer deutlichen Abschwächung der Konsumnachfrage - eine spürbare Verlangsamung des Wachstums", sagte Ackermann.
"Es ist noch viel zu früh, um bei diesem Thema Entwarnung zu geben", sagte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller. Dies gelte auch für Deutschland. In Deutschland waren mit der IKB und der SachsenLB zwei Banken wegen der Krise in Schieflage geraten. Völlige Klarheit werde es aber erst im Frühjahr geben, wenn die Jahresabschlüsse für 2007 vorliegen, bekräftigte Müller, der auch Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken ist. (Ag./Red.)