Ein Abend mit Arte statt mit Soap
Die besten der „Desperate Housewives“ haben sich inzwischen aufgehängt, oder es wurde ihnen eine vernichtende Diagnose erstellt – höchste Zeit also, sich vom Programmhöhepunkt des ORF zu verabschieden, ehe bemerkbar wird, dass im bestreikten Hollywood nun auch in den verzweifeltsten aller Familien die Gags ausgehen.
Warum also sollte man diesen Donnerstag nicht mit Bildung pur beenden und, statt nur vorzugeben, den Intellektuellen-Sender Arte zu schauen, auch wirklich einmal hineinzappen. Von ORF1 bis RTL2 laufen heute wie zu erwarten grausliche Soaps mit Dutzenden von Ärzten oder Kriminellen verursachten Leichen. Mein erklärter Lieblingssender nach Ö1 hingegen bringt Arthur Schnitzler auf Amerikanisch. Die Liebe kommt bei Arte zu ihrem Recht. Der Brite Stanley Kubrick hat die „Traumnovelle“ für Hollywood mit Nicole Kidman und Tom Cruise verfilmt.
Die beiden längst schon geschiedenen Superstars würden zwar auch perfekt zu den magersüchtigen, sich langsam auflösenden Housewives in der Wisteria Lane passen, aber bei Kubrick erfährt man ganz deutlich, warum der gehobene Mittelstand so zickig ist: Weil Tagträume und Notlügen ganz schön viel Energie kosten. Man kann das auch bei Schnitzler nachlesen. Unter Schreibblockaden hat der Herr Doktor wahrscheinlich nie gelitten.
norbert.mayer@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2007)