Österreich zählt international zu den Top-3-Nationen und stellt neben den zwei Weltmeisterinnen Angela Eiter und Anna Stöhr auch zwei Weltcup-Sieger.
WIEN. Es gibt nur wenige Sportarten, in denen Österreich zu den Top-3-Nationen gehört: Klettern ist eine davon. Im Vorstieg, jener Disziplin bei der es darum geht, die Wand möglichst bis zum obersten Griff, dem Top, durchzuklettern, ist Österreich hinter Frankreich, die Nummer 2 der Welt. Im Bouldern – in dieser spektakulären Disziplin wird auf niedrigen Wänden ohne Seil geklettert – liegen nur noch Russland und Frankreich besser. Und der erst 2006 gegründete Internationale Verband hält momentan bereits bei rund 70 Mitgliedern.
Österreichs Erfolge in der abgelaufenen Saison lassen sich jedenfalls sehen: Angela Eiter wurde Weltmeisterin im Vorstieg, Anna Stöhr holte den WM-Titel im Bouldern. Der erst 17-jährige David Lama wurde Boulder-Europameister. Und auch im Weltcup hinterließen die die Österreicher ihre Spuren: Kilian Fischhuber und Anna Stöhr gewannen die Boulder-Wertung, Angela Eiter wurde Zweite der Vorstieg-Serie. Bei der Jugend-WM gewann Österreich in Ecuador sieben Medaillen die Jugend-Europameister Jakob Schubert und Johanna Ernst holten wie Christine Schranz WM-Titel.
Multiplikator Schule
Aber Österreich ist nicht nur im Kletter-Spitzensport spitze, auch der Kletter-Breitensport erlebt einen Boom. Der Wettkletterverband, der 2006 gegründet wurde, hält bei mehr als 20.300 Mitgliedern. „Ein Drittel davon“, sagt Vizepräsident Helmut Knabl, „ist jünger als 18 Jahre alt.“ Der Zustrom ist aber nicht auf die westlichen Bundesländer beschränkt. Dort allerdings sind Schulen und Vereine am besten vernetzt: Seit sechs Jahren wird etwa der Tiroler Schulbouldercup durchgeführt, bei dem heuer 428 Kinder starteten. Die pädagogische Hochschule Tirol bietet seit 1990 eine Lehrerausbildung für Klettern an. Ähnliche Angebote gibt es nun auch in Vorarlberg und Wien. In Imst besteht seit 1997 die Kletter-Hauptschule mit fünf Wochenstunden in der Wand, das Innsbrucker BORG bietet einen eigenen Zweig mit vier Kletter-Einheiten pro Woche.
Momentan gibt es in Österreich rund 200 künstliche Kletteranlagen. Die Wiener Halle im 22. Bezirk mit 2200 mKletterfläche wurde vor einem Jahr eröffnet und ist seither ausgebucht. Die größte Anlage befindet sich aber in Linz: In der umgebauten Halle stehen gar 2500 m zur Verfügung. Auch die natürlichen Kletterfelsen erleben einen Ansturm: Auf den Routen rund um Wien gab es im vergangenen Sommer teilweise Stau.
Und es gibt noch einen Indikator für den Boom dieser Sportart: In den kommenden Tagen erscheint ein neues österreichisches Magazin, das sich ausschließlich mit Klettern beschäftigt.
Osterweiterung
Um dem Sport noch mehr Öffentlichkeit zu geben, sind auch 2008 internationale Bewerbe in Österreich geplant. Neben der Jugend-Europaserie im September in Imst, macht auch der Weltcup zweimal in Tirol Station: Im April in Hall und im September in Imst.
Für 2009 plant die Szene auch im Klettersport eine „Osterweiterung“: Fischhuber und Co. wollen Bewerbe nach Ostösterreich bringen und basteln an einem Open-Air-Bewerb in Wiens Innenstadt. „Wir müssen die Weltcup-Bewerbe noch professioneller gestalten und abwickeln“, sagt Fischhuber, „dann können wir daran gehen, unseren Sport olympisch zu machen.“ Für das Klettern wäre das eine Premiere, für den Alpinismus wäre es eine Renaissance: Bei den Olympischen Spielen 1924, 1932 und 1936 wurden bergsteigerische Pionierleistungen ausgezeichnet.
ERFOLGSLISTE 2007
2 WM-Titel: Angela Eiter, Anna Stöhr.– 2 Weltcupsieger: Kilian Fischhuber,Anna Stöhr. – 1 EM-Titel: David Lama. – 3 Jugend-WM-Titel: Jakob Schubert, Johanna Ernst, Christine Schranz.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2007)