Endgültige Entscheidung über 400-Mio.-Euro-Paket steht laut Bawag noch aus.
Wien (APA/b.l.). Das zum Verkauf stehende Immobilienpaket der Bawag könnte an die Immofinanz gehen. Die börsenotierte Immobiliengesellschaft hat jedenfalls bereits um Genehmigung bei der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) angesucht.
Seitens der Bawag hieß es, über den Immobilienverkauf sei noch nicht entschieden worden. Eine vorsorgliche Anmeldung bei der Bundeswettbewerbsbehörde sei Teil des normalen Verfahrens in der Endphase eines Verkaufsprozesses, „wenn im Fall des Zuschlags an einen Bieter wettbewerbsrechtliche Relevanz entstehen würde“. Es seien jedoch noch Verhandlungen mit mehreren Interessenten im Gange, hieß es in einer Aussendung. Von der Immofinanz gab es zunächst keine Stellungnahme zu der bevorstehenden Transaktion.
Das zum Verkauf stehende Paket aus 17 Immobilien dürfte zwischen 400 Mio. und 500 Mio. Euro wert sein. Bei den Objekten handelt es sich um Wiener Innenstadthäuser. Eine Entscheidung über den Verkauf war für gestern, Mittwoch, erwartet worden.
Geld durch Wandelanleihe
Der Abverkauf von Vermögenswerten und Beteiligungen soll in den nächsten Monaten in Summe rund 1,5 Mrd. Euro in die Bawag-Kassen spülen und wird vom neuen Bawag-Eigentümer, dem US-Fonds Cerberus, massiv vorangetrieben. Erst kürzlich ist der 34-Prozent-Anteil der Bawag an den Österreichischen Lotterien an die Casinos Austria gegangen. Der Bieterstreit um den defizitären Klavierbauer Bösendorfer geht gerade in die letzte Runde.
Die Immofinanz dürfte für den Kauf gerüstet sein. Erst kürzlich hat sich die Gesellschaft 750 Mio. Euro durch die Begebung einer zehnjährigen Wandelschuldanleihe besorgt. Kapitalerhöhung dürfte das Unternehmen in absehbarer Zeit keine durchführen. Die Aktie notiert gegenwärtig weit unter ihrem Substanzwert. Das bedeutet: Allein die Immobilien des Konzerns sind laut Gutachtern deutlich mehr wert als das Unternehmen an der Börse. Grund ist die Immobilienkrise: Seit Mai hat sich der Preis des Immofinanz-Papiers auf 6,22 Euro halbiert.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2007)