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Maschek: Die Klügste unter den Würsten

Dorfers Donnerstalk'. Im Bild: 'maschek': Robert Stachel, Ulrich Salamun, Peter Hörmannseder. SENDUNG: ORF1, Do, 05.10.2006, 21:50 UHR.
ORF

Das „Maschek.Patent“ ist eine mäßig lustige Marketing-Parodie. Inhalt: Das Synchronisieren von Fernsehbildern.

Alt-Fernsehclown Habakuk klärt die Kinder über Drogen und Wasserpfeifen auf, Hugo Chávez bringt Fidel Castro eine lebende Blutkonserve – ein kleines Mädchen – als Gastgeschenk, Nicolas Sarkozy und George Bush tauschen Familie – das Medien-Anarchisten-Trio Maschek (Robert Stachel, Peter Hörmanseder und Ulrich Salamun) ist in seiner neuen Show „Das Maschek.Patent. Eine Welt- idee“ dann am besten, wenn es sich auf sein „Kerngeschäft“ konzentriert: das Synchronisieren von Fernsehbildern.

Da kommt es zu großartigen Szenen: etwa, wenn Peter Sloterdijks Philosophisches Quartett von Maschek zu einer Marketingveranstaltung umfunktioniert wird, bei der dem Philosophen schlimmster Business-Kauderwelsch in den Mund gelegt wird: „Business-to- Business Veranstaltungen sind das Butter aufs Brot des Philosophen.“ Von der Butter geht's dann im Dialog mit dem Wiener Avantgarde-Filmer Peter Kubelka weiter zu dekonstruktivistischen Abhandlungen über Wiener und Frankfurter Würste und schließlich zur Feststellung: „Die Kantwurst ist die klügste unter den Würsten.“ Oder wenn Bush, während er Sarkozy umarmt, flüstert: „I gfrei mi scho auf dei Alte.“


Adventure capital

Doch Maschek wollen mehr. Sie haben sich auch eine aufwendige und leider ziemlich verworrene Rahmenhandlung für die Synchronisationen ausgedacht: Eine misslungene „Investorenpremiere“ im Salzburger Hangar 7, bei der ihr neues Produkt „mshk“ (gesprochen „M-Shake“) präsentiert hätte werden sollen, endete im totalen Chaos. Jetzt soll die Geschäftsidee nachträglich gerettet werden. Das Produkt: eine eingeschweißte „mshk“-Karte zum Umhängen um 19,90 Euro. Wir lassen uns das Drüberreden patentieren, erläutert Stachel. Nur wer die Karte hat, soll synchronisieren dürfen. Die Verballhornung von Wirtschaftsvokabular („adventure capital“, „copyright identity“) und die Einführung einer gestrengen Frau Föderl, die ständig schriftliche Ratschläge erteilt („Das Wort Demokratisierung in den Mund nehmen und dabei Marketing im Auge haben“), sind noch die subversivsten Ideen, die Maschek da auf die Bühne bringen.

Der Rest der Show gerät leider ziemlich platt: Auftritte im Gorilla-Kostüm oder im Tarnanzug passen eher zu einer drittklassigen Laienschauspielgruppe, und auch die Impro-Theater-Einlage geht nicht sonderlich geistreich aus.

Amüsant wird's wieder zum Schluss, als der Papst Fidel Castros Tod bekannt gibt und irrtümlich auch das P.S. von Georg „Gänsfleisch“ verliest: „Heute Wiener Schnitzel in der Kantine.“

Vorstellungen: 23., 24., 30.November, 1., 2., 6., 7.Dezember.

www.rabenhof.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.11.2007)