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Deutschland: Neonazis schneiden 17-Jähriger Hakenkreuz in die Hüfte

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Die Jugendliche wollte offenbar einer Sechsjährigen zu Hilfe kommen, die von den vier Männern attackiert wurde. Ein Verdächtiger wurde verhaftet, jedoch wieder frei gelassen.

Bereits am 3. November haben Rechtsextreme im sächsischen Mittweida einer 17-Jährigen ein Hakenkreuz in die Hüfte geritzt. Die Frau war offenbar einer Sechsjährigen zu Hilfe gekommen, die von den vier Männern attackiert wurde. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag mit.

Demnach hat das zuständige Amtsgericht Chemnitz es aber abgelehnt, einen Haftbefehl gegen den Festgenommenen zu erlassen. Der Tatverdacht gegen den 19-Jährigen sei nicht ausreichend nachweisbar.

Heftige Gegenwehr verhinderte Schlimmeres

Die Ermittlungen haben ergeben, dass drei der Männer die Jugendliche festhielten, während ein Vierter ihr mit einem Skalpell das Hakenkreuz in die Hüfte schnitt. Außerdem hat er versucht, der jungen Frau ein altes germanisches Schriftzeichen in die Wange zu ritzen. Ihre heftige Gegenwehr konnte das aber verhindern.

Das Opfer behielt den Vorfall zunächst jedoch für sich und offenbarte sich erst später ihrer Mutter, die dann mit ihr zur Polizei ging.

Beamte des Staatsschutzes machten darauf das sechsjährige Mädchen ausfindig, das zuvor von den Tätern attackiert worden war. Sie bestätigte die Aussagen der 17-Jährigen.

Hausdurchsuchung: Neonazi-Abzeichen gefunden

Schließlich ermittelte die Polizei den 19-Jährigen, der das Opfer mit festgehalten haben soll. Bei der Durchsuchung seines Zimmers im elterlichen Wohnhaus hat die Polizei rechtsextreme Utensilien gefunden. Die Beamten stellten ein Abzeichen der Neonazi-Kameradschaft "Sturm 34" sicher.

Die Vereinigung war im April von Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) verboten worden, nachdem sich zu Jahresbeginn die Übergriffe mit rechtsextremem und ausländerfeindlichem Hintergrund in Mittweida massiv gehäuft hatten.

Anwohner dürften zugeschaut haben

Wie das Mädchen später aussagte, waren mehrere Menschen auf den Balkons umliegender Häuser. Sie dürften den Überfall mitverfolgt haben, meldeten sich aber nicht als Zeugen. Mittweidas Bürgermeister Matthias Damm (CDU) sagte: "Es ist eine Schande, wenn Menschen in einem solchen Fall wegschauen.

Zwei der Angreifer trugen den Angaben des Opfers zufolge Bomberjacken mit NSDAP-Aufnähern. Die Polizei will nun mit Phantombildern Täter und Zeugen ausfindig machen.

Der mutmaßliche Rädelsführer muss sich derzeit vor dem Amtsgericht Chemnitz wegen Körperverletzung verantworten.

(Red.)