Der Dr. rer. nat.

KARRIERESTART. Naturwissenschaftlichen Nachwuchs braucht das Land. Der hat es aber oft nicht leicht.

Doctor rerum naturalium“ steht auf der edlen Rolle der Promotionsfeier. Aber wie gestaltet sich die Jobsuche als Naturwissenschaftler? Einige reale Beispiele aus der Arbeitswelt des wissenschaftlichen Nachwuchs des Landes aus erster Hand.

Mit einem Doktoratsabschluss der Universität Wien sollte man meinen, eine gute Startposition auf der Karriereleiter errungen zu haben. Aber kaum jemand erlebt die Zeit nach der Dissertation als Aufschwung. Der nächste Schritt wäre eine Post-Doc-Stelle, die meist befristet und über Drittmittel finanziert ist. Doch in Österreich sind solche Stellen rar.

Ein Jahr Wartezeit

So erzählt der 36-jährige Michael Hrncir, dass er sich nach dem Abschluss des Doktorats (Forschungen an Bienen in Brasilien) intensiv dem Schreiben von Projektanträgen widmete, jedoch abgelehnt wurde. Die Wartezeit (ein Jahr) nutzte er, um ein Buchkapitel über sein Fachgebiet zu schreiben, bis ihn sein Doktorvater in einem FWF-Projekt als Post-Doc anstellte. Dann gelang ihm ein Sprung auf der Karriereleiter: In Brasilien kann er sich jetzt mit dortigen Drittmittel für vier Jahre ein eigenes Labor einrichten.

Ebenfalls ins Ausland gegangen ist Bernhard Völkl. Über das Verhalten von Äffchen publizierte der 33-Jährige in renommierten Journals, doch half das nichts, um schnell eine gute Stelle zu bekommen. Mehr als ein halbes Jahr nach dem Doktorat erfuhr er, dass sein Antrag auf das Erwin-Schrödinger-Stipendium abgelehnt wurde. Bis dahin verdiente er nur unter der Geringfügigkeitsgrenze an der Uni Wien (Lehraufträge und Projekte). Nach langer Stellensuche erhielt er aus Straßburg eine positive Antwort und ist dort seit April 2007 angestellt.

Angela Stöger-Horwarth zeigt, dass man in Österreich als junge Wissenschaftlerin doch erfolgreich sein kann. Sie schloss ihre Dissertation über Elefanten im Dezember 2006 ab und führte ihre Arbeit kontinuierlich weiter. „Es ist ein harter Kampf um Mittel und es gibt eindeutig zu wenig Chancen für junge Wissenschaftler“, meint auch sie.

„Keine Bittstellerin zu sein“

Finanzieren kann sie sich über ein eigenes FWF-Projekt, das noch bis Ende 2009 läuft. Heuer erhielt sie außerdem den FWF-Wissenschaftskommunikationspreis, mit dem sie Kindern im Tiergarten Schönbrunn Einblick in die wissenschaftliche Arbeit geben will. Der Zoologie den Rücken gekehrt hat Claudia Franceschini-Zink: Ihre Dissertation verlief ausgezeichnet und nach den Forschungen an Feldhamstern in Wien war sie hoch motiviert, weiter zu forschen. Eine befristete Post-Doc-Stelle war ihr zu unsicher. „Für eine halbwegs sichere Perspektive hätte ich fast alles gegeben“, sagt sie: „Aber ich konnte mir nicht leisten, viel Zeit und Geld in einen eigenen Projekt-Antrag zu investieren“. Deswegen wechselte sie in die klinische Forschung: „Dort habe ich nicht das Gefühl, Bittstellerin zu sein.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2007)

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