Wer eng mit Atil Kutoglu befreundet ist, darf ihn zum „Wiener Opernball“ in Istanbul begleiten. Dort erklingt nach der Eröffnung die türkische Hymne, draußen hat es 15 Grad.
Irgendjemand soll in dieser Nacht gesagt haben, es sei für ihn der schönste Opernball außerhalb Österreichs seit langem. Daran kann sich Atil Kutoglu genau erinnern. Und er könne dem nur beipflichten, sagt er. Schließlich kennt er sich aus, wenn es um den Opernball geht – den in Wien und den in Istanbul. Derzeit steht es in Kutoglus persönlichem Opernball-Besuchskalender vier zu drei. Für Wien.
Am vergangenen Wochenende hat er (zum dritten Mal) den „Opera Balosu Viyana“, den „Wiener Opernball“ in Istanbul, besucht. Die kleine Schwester des Wiener Traditionsballs fand heuer schon zum neunten Mal in 15 Jahren im Swissotel „The Bosphorus“ statt. Eingeführt hat dieses, für die Türkei durchaus ungewöhnliche Spektakel, Hoteldirektor Gerhard Struger, ein ausgewanderter Österreicher mit Sehnsucht nach der Wiener Ballsaison.
Der Ball an sich sieht freilich ein wenig anders aus, als der im fernen Wien – abgesehen von den herbstlichen Temperaturen um die 15 Grad. Da wird zunächst gemeinsam ausgiebig gegessen, erst danach werden die rund 500 Gäste in einen Ballsaal einen Stock tiefer gebeten. Während der ohnehin kurzen Eröffnung (vier Balletttänzer, ein Sänger, rund 40 Eröffnungspaare – alle Söhne und Töchter aus gutem Haus) dürfen die Gäste in großen weißen Lounge-Sofas versinken. „Der Ball hat seine Vor- und Nachteile“, erzählt Kutoglu der „Presse“. So sei es etwa äußerst angenehm, dass sich im Fünf Stern-Haus „The Bosphorus“ nicht einmal halb so viele Menschen drängen würden, wie in der Staatsoper am Ring. „Dafür fehlen dem Ball natürlich die historische Staatsopernkulisse und die bunten Farben“, so Kutoglu.
Der gebürtige türkische Designer, der seit Jahren in Wien und New York lebt, war diesmal wieder nicht alleine beim Istanbuler Opernball. Seine engen Freunde, Hubertus von Hohenlohe und dessen italienische Freundin Simona Gandolfi (eine Cousine von Alberto Tomba), waren eigens für den Ball angereist, Camilla Habsburg-Lothringen und ihr Freund Kai Sailer waren schon einen Tag früher in der Stadt. Schon bei seinen ersten beiden Ball-Besuchen hatte Kutoglu österreichische Gäste mitgebracht. Vor zwei Jahren begleitete ihn Dagmar Koller, ein paar Jahre davor Hubertus Hohenlohes Mutter, Ira von Fürstenberg.
Dass Atil Kutoglu über einen ausgeprägten Geschäftssinn verfügt, ist mittlerweile bekannt. Dass er aber auch private Feiern dafür nutzt, um seine Kreationen zu präsentieren, ist neu. Der Ball-Abend am Bosporus war nämlich schon fast so etwas wie eine kleine (unangekündigte) Kutoglu-Fashion Show. Der Auftrag, für die Frau des türkischen Staatspräsidenten, Hayrünnissa Gül, ein „moderneres Kopftuch“ zu gestalten, hat (in der Türkei und in Österreich) offenbar Eindruck hinterlassen.
Insgesamt sechs Damen erschienen am Samstag in Kutoglu-Couture, darunter auch die Unternehmerin Dermet Sabanci, die angeblich zweitreichste Frau der Türkei. Weniger festlich angezogen war dafür Hubertus von Hohenlohe in seinem erdbeerroten Anzug von Ralph Lauren. Beim Wiener Staatsball hätte man ihm damit vermutlich den Eintritt verwehrt.
Das „Alles Walzer“ nach der kurzen Eröffnung darf auch in Istanbul nicht fehlen. Und wie beim Staatsball in Wien spielt man die österreichische Staatshymne – allerdings nach der türkischen, bei der alle Gäste ehrfürchtig still sind und stramm stehen. Kurz nach Mitternacht versucht sich ein Großteil der 500 Gäste, darunter reiche Unternehmer aus der Baubranche, Schauspieler und Opernsänger, wie Kutoglu erzählt, an der Quadrille. Und danach gab's Kaffee zur Stärkung. Von Meinl.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.11.2007)