Das Schweigen der Hämmer

(c) Die Presse (Lackner)
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Fahrbericht. An der Ampel beutelt sich der Mini wie ein nasser Hund, um danach bedeutungsvoll zu schweigen. Was ist passiert? Und überhaupt: Warum ein Diesel im Mini Cooper?

Vor dem Haus steht ein schwarzer Mini mit Startnummer 19, einer von der ­alten, originalen Sorte. Sieht hübsch aus, außerdem kann er parken, wo normalerweise nur Motorräder hinpassen. Es ist ja nicht einmal zehn Jahre her, dass man die alten, von Rover gebauten Minis kaufen konnte. Das letzte Modell in Mayfair-Ausführung war aber kein wirkliches Vergnügen mehr zu fahren, außerdem viel zu teuer. Der alte Mini war drei Meter lang und wog 700 Kilo, der neue, von BMW gebaute misst 3,7 Meter und wiegt 1185 Kilo. Dafür hat man ein zeitgemäß sicheres Auto, in dem man sich auch rühren kann (trotz des Party-Klassikers „Wie viele passen in einen originalen Mini?“). Mit BMW fand auch der Dieselmotor in den Mini, in der zweiten Generation sogar in den Cooper, traditionell die stärkere Variante. Diesel im Mini – was hätten wir gelacht, vor zehn Jahren.

Heute ist Diesel gewissermaßen Common Sense, auch wenn eine simple Kostenrechnung den Selbstzünder im Kleinwagen als wirtschaftlichen Unsinn entlarvt. Es ist daher nicht ganz einfach zu begreifen, warum man aus seinem Mini freiwillig eine Ratterkiste macht. Der 1,6-Liter-Diesel mit Partikelfilter (gebaut vom PSA-Konzern) geht nicht leise zu Werke, was sich erst in den höheren Gängen verliert. Die Anfahrschwäche ist einigermaßen lästig in der Stadt, und wie erwartet ist man stets fest am Umrühren im Sechsganggetriebe, um die kurze Drehmomentwelle parat zu haben.
Fein, wenn es nur ums Sparen geht, aber aus unserer Sicht hätte das Dieselmodell den Cooper-­Zusatz nicht verdient; John Cooper hätte das wohl genauso gesehen. Der war auch eher von der geraden Sorte. Schnurre von seinem Sohn Mike Cooper gefällig? „Ich wollte als junger Bursche nichts sehnlicher als ­Rennfahrer werden. Vater nahm mich also eines Tages mit zur Rennstrecke und ließ mich fahren. Am Abend sagte er: ‚Mein Sohn, du bist nicht schnell genug.‘ Das war’s.“ Rennfahrer ist Mike Cooper tat­sächlich nicht geworden, da-
für verwaltet er das Werks­tuning von Mini.

Start, Stopp

Drollig ist die Start-Stopp-Automatik, die BMW als Spritsparmaßnahme eingebaut hat: Steht man im Leerlauf an der Ampel, geht der Motor aus. Unser Cooper D beutelte sich also jedes Mal wie ein nasser Hund, um danach bedeutungsvoll zu schweigen: So ruhig könntest du es immer haben, aber dazu müsstest du ­Benziner fahren. Die Ruhe tut gut; selten ist einem selbst der Krach der Ampelnachbarn so störend aufgefallen.

Tritt man das Kupplungspedal, schüttelt sich der Motor zurück ins Leben, gerade schnell genug, dass man nach dem Gangeinlegen ohne Verzögerung anfahren kann. Das System funktioniert also, auch wenn es ein-, zweimal Stress gab, weil der Motor weiterschlief. Man kann die Funktion ausknipsen.

Bäuerlicher Rums

Wenn es darum geht, mit etwas Verve unterwegs zu sein, also ­Mini-like, legt der Cooper D eher bäuerlichen Rums als Spritzigkeit an den Tag. An den Qualitäten des Fahrwerks gibt es nichts zu rütteln, der Mini ist von Natur aus kurvengierig. Wenn diese Talente mit einem Diesel zusammengehen sollen, dann nicht mit diesem.
Die Stunde des Motors schlägt erst auf der Autobahn und an der Tankstelle – Kollege D. vermeldete eine fabulöse Fahrzeit nach München, wo er nun vermutlich polizeilich gesucht wird, und dennoch hielt die Verbrauchsanzeige bei 7,1 Liter. Mehr geht offenbar einfach nicht, weniger schon.
Sonst? Der unheimlich solide Gesamteindruck. Sechs Airbags in Serie als patente Premiumansage. Die etwas zu witzig geratene Inneneinrichtung. Wie ernsthaft der Mini dagegen äußerlich wirkt;
chic sowieso, mit keinem andern Auto dieser Größe lässt sich im urbanen Gewühl mehr Eindruck schinden – vielleicht kein Lebensziel, aber auch nicht störend.

Motor/Maße: Vierzylinder­dieselmotor, 1560 ccm, 110 PS bei 4000 U/min, 240 Nm bei 1750–2000 U/min. L/B/H 3709/1683/1407 mm. Gewicht 1185 kg. Kofferraum 160–680 l. Fahrleistungen: 0–100 km/h in 9,9 sec, Vmax 195 km/h. Testverbrauch 7,1 l/100 km. Preis: 19.911 Euro. Pro: Für tgl. Wien–München–Wien. Contra: Rattern nicht Mini-like.

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