Merkel: "Inflation perfide Form der Enteignung der kleinen Sparer"

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Deutschland leidet unter der höchsten Inflationsrate seit 13 Jahren. Bundeskanzlerin Merkel erwartet nun, dass die EZB nicht dem US-Trend zu Zinssenkungen folgt.

Deutsche Wirtschaftsexperten sind besorgt: Die hohe Inflation frisst einen Großteil der Lohnerhöhungen auf. Die deutschen Verbraucher könnten in Folge auf die Konsumbremse steigen. Nun hat die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel angesichts der hohen Inflationsrate ihre Hoffnung geäußert, dass sich die Europäische Zentralbank (EZB) dem in den USA anhaltenden Trend zu Zinssenkungen nicht anschließt.

"Ich äußere mich nicht zu Zinsentscheidungen der EZB, ich bin aber sicher, dass sie nach sorgfältigen Erwägungen getroffen werden", sagte die CDU-Politikerin dem Magazin "Stern" in einem am Mittwoch im Voraus veröffentlichten Interview.

Die Bundesbank habe die Aufgabe, Inflation zu bekämpfen, stets konsequent verfolgt, sagte die CDU-Vorsitzende. Das gelte unverändert auch für die Europäische Zentralbank. "Deshalb setze ich mich bewusst sehr für die Unabhängigkeit der EZB ein, weil Inflation eine der perfidesten Formen der Enteignung der kleinen Sparer ohne Sachwerte ist", sagte Merkel. Die Geldwertstabilität habe in Europa traditionell einen hohen Stellenwert.

Höchste Inflationsrate seit 13 Jahren 

Vor allem die Preisexplosion bei Nahrungsmitteln und Mineralölprodukten trieb die Inflationsrate in Deutschland im November auf den höchsten Stand seit 13 Jahren. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag berichtete, liegt die Rate nach ersten Berechnungen aus sechs Bundesländern bei drei Prozent. Dies sei die höchste Teuerungsrate seit Februar 1994. (Ag.)