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Pirls-Studie: Österreich ist Mittelmaß beim Lesen

APA
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Viertklassler erreichten Rang 20 von 45 Ländern. Jedes sechste Kind ist „Risikoschüler“. Zuwanderer schneiden hierzulande auffallend schlecht ab.

WIEN (aich/red.) Pisa-Siegerland Finnland hat bei der gestern veröffentlichten Pirls-Studie nicht teilgenommen. Deshalb lassen sich schlecht Vergleiche ziehen. Aber auch dieses Mal zeigt sich: Österreich ist bei den Schulleistungen nur Mittelmaß. Sieger in Sachen Lesefähigkeit sind dieses Mal Russland und Hongkong. Und: Deutschland hat signifikant besser abgeschnitten als Österreich.

Hierzulande kann jeder sechste Volksschul-Abgänger nur unzureichend sinnerfassend lesen. Sie zählen damit zur „Risikogruppe“ und erreichten nur den niedrigsten Level. In dieser Gruppe hielten sich allerdings mehr als ein Drittel selbst für Spitzenleser – laut Bildungsforscher Günter Haider ein Problem, weil man sie damit nicht zum Lernen motivieren könne. Nur sieben Prozent dieser Schüler haben ein realistisches Selbstbild.

Hochgerechnet verlassen in Österreich rund 14.000 Kinder pro Jahr die Volksschule mit ernsthaften Leseproblemen. Gleichzeitig sind nur acht Prozent der getesteten Schüler „Spitzenleser“. Und wieder einmal zeigt sich, dass der Zusammenhang zwischen der Bildung der Eltern und der Leistung der Schüler in Österreich verhältnismäßig groß ist. Der soziale Abstand fällt anderswo – etwa in den Niederlanden, Dänemark, Italien und Luxemburg – kleiner aus.


Benachteiligte Migranten

Zuwandererkinder haben besonders schlechte Leistungen – wobei jene Schüler, die in Österreich geboren sind, nicht viel besser lesen als jene der ersten Generation. Bei einer speziellen Auswertung jener 21 Länder bzw. Provinzen, die einen Migranten-Anteil von mehr als zehn Prozent aufweisen, zeigt sich, dass der Unterschied i

n den Leseleistungen zwischen Einheimischen und Migranten der ersten Generation in Österreich nach England am zweithöchsten ist.

In allen Staaten schneiden Mädchen besser ab als Buben. Doch noch eine gute Nachricht: Österreich hat hier eine im Vergleich zu anderen Staaten nur geringe Geschlechterdifferenz. Die größte Kluft weisen die arabischen Staaten auf. Praktisc

h kein Unterschied konnte in Luxemburg und in Spanien gemessen werden.

Länder, die schon bei der Pisa-Studie gut abschnitten, haben auch jetzt gute Ergebnisse, mit zwei Ausnahmen: Russland lag bei Pisa weit unter dem Durchschnitt der OECD-Länder. Norwegen lag bei Pisa über, bei Pirls aber unter dem Schnitt. Bei beiden Studien gut abgeschnitten haben Schweden, die Niederlande und Kanada.


Schmied fühlt sich bestätigt

„Da mache ich keinen Luftsprung“, sagt Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) angesichts der Studie. Sie sieht sich in ihren Reformvorhaben aber bestätigt. Den Schluss, den sie für Österreich zieht: Vorschulische Erziehung wirkt sich positiv aus.

 

Grafik: Nur acht Prozent der österreichischen Schüler sind "Spitze"

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2007)