Es kommt Licht ins Dunkel. Kerzen in den Wohnzimmern, Weihnachtsbeleuchtung auf den Straßen – und der ORF fegt mit dem Weihnachtsfeuer-Flammenwerfer durch den Hauptabend. Barbara Stöckl, deren engelhaftes Wesen nur durch eine Überdosis Schwarz getrübt wurde, blies zum Spenden-Halali. Und alles, was Rang und Namen hat, klemmte im Studio den Hörer zwischen Ohr und Schulter (wer wollte nicht gern sein „Ich gebe 200 Euro!“ in das Ohr von Guggi Löwinger flöten?) oder präsentierte die neueste CD (Empfehlung für den Gabentisch!) oder sagte per Videoeinspielung was Nettes über den Zauber sich öffnender Brieftaschen.
Charity als Publicity hat sich eben bewährt. Natürlich wird da viel Gutes getan. Und gerade ein Massenmedium wie der ORF garantiert für jährliche Spendenrekorde. Aber was ist während der anderen elf Monate? Da erleben wir die behindertenfreie Gesellschaft und den behindertenfreien ORF – am Bildschirm, im Äther, in den Redaktionen.
Für ein Umdenken macht ÖVP-Behindertensprecher Franz-Josef Huainigg auf seiner Website „Nicht ins Dunkel“ mobil. Er fordert Selbstbestimmung und Gleichstellung statt Mitleid und Almosen. Das wär' doch ein Weihnachtsgeschenk! Und: Warum sollte sich das nicht ausgerechnet der große, mächtige ORF leisten können?
isabella.leitenmueller-wallnoefer@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2007)