Die Streikwelle der Autoren in Hollywood hat mit geringer zeitlicher Verzögerung nun auch die Randzone des Gegengiftes erreicht.
200 meiner Zulieferer fürs Possenreißen sind seit Mitte November im Ausstand, weil sie nicht nur am Ruhm, sondern auch an den Filmrechten und der Internet-Verwertung dieser Kolumne beteiligt sein wollen. Weder Gorbach noch Platter oder Bures lieferten diesmal Schnurren. Deshalb wurde vom Konzern in kluger Vorwegnahme der Schlussteil dieses Textes wegrationalisiert. Danke. Diese Kolumne hat keine Pointe, weil dort stattdessen die viel beliebtere Fläche steht, die das Management Anzeige nennt, die wir im Feuilleton aber sehr persönlich bezeichnen.
In solch einer Stunde der Not darf der Kolumnist nicht die Nerven flattern lassen und voreilig zur Konserve greifen. Es wäre mir ein Leichtes gewesen, die schönsten Passagen aus sommerlichen Metawaren mit Copy and Paste in die Gegenwart zu übertragen. Aber das Wiederholen überlasse ich lieber dem ORF. Dort war der Arbeitskampf in den USA noch gar nicht ruchbar geworden, als Wrabetz und Lorenz freiwillig die beliebtesten Serien seit Lassie und Fury ins Vorabendprogramm wuchteten.
Nein, selbst ohne Ghostwriter bleiben wir einsame Bannerträger der Kultur aktuell. Voller eschatologischer Hoffnung widmen wir uns dem hochsensiblen Thema Schreibblockade: Warum, in aller Welt, wird diese letzte aller Plagen von den Pisa-Testern unter Verschluss gehalten? Warum gibt Al Gore nicht zu, dass die Ressource Qualitätstext langsam viel knapper wird als das lästige Packeis an den Polen?
Und wo bleiben denn heute meine Grammatik-Assistentin, der Art-Direktor für die Initialen, die Kostümbildnerin für das Kolumnen-Foto und der Opernkritiker für die passende Hintergrundmusik? Muss ich heute wirklich alles selber machen? Man kommt sich hier schon vor wie Letterman ohne Lettern oder Pocher ohne Schmidt. Also gut, ein letzter Versuch, jenseits von Hollywood einen finalen Gag zu produzieren: Der Papst trifft im Himmel Bush und Putin. Sagt...
norbert.mayer@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2007)