ORF-General Alexander Wrabetz bittet die Gebührenzahler zu Kassa – und geht damit den Weg des geringsten Widerstands.
ORF-General Alexander Wrabetz will ab Mitte kommenden Jahres die ORF-Gebührenzahler zur Kasse bitten – und muss mit einem Aufschrei rechnen. Das kann er drehen und wenden, wie er will: Ausgerechnet jetzt auch nur an eine Gebührenerhöhung zu denken, klingt vor allem nach einem: nach großer Verzweiflung und dem Verdacht, dass dem ORF das Wasser vielleicht schon höher als nur bis zum Hals steht. Dagegen sprechen die massiv sinkenden Marktanteile. Dagegen spricht auch die teilweise schwer missglückte TV-Programmreform. Und dagegen spricht die für die Konsumenten ärgerliche, teure und (vom ORF weitgehend unverschuldet) teilweise technisch nicht funktionierende Umstellung auf digitalen TV-Empfang. Wrabetz weiß das – und fordert trotzdem mehr Geld. Weil die Ausgaben steigen, ihm einnahmenseitig aber die Hände gebunden sind.
Natürlich muss über drastische Sparmaßnahmen nachgedacht werden. Der Betriebsrat des 3800-Mann-Kolosses wetzt aber bei 250 Nicht-Nachbesetzungen lautstark die Messer – was seinem Auftrag entspricht. Und die Länder wollen sich von „ihren“ Landesstudios nichts wegnehmen lassen und stellen munter Forderungen. Und die Politik? Bund und Länder bekommen 40% der Rundfunkgebühr – eine Diskussion darüber ist so gut wie ausgeschlossen. Wrabetz geht den schnellsten Weg des geringsten Widerstands: Er muss nur 16 Stiftungsräte überzeugen, dann geht die Gebührenerhöhung durch. Das wird gelingen.
(Bericht: Seite 27)
kultur@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.12.2007)