Johannes Heesters wird am Mittwoch 104. Auf der Bühne steht er immer noch gern. Bald auch wieder in seiner Heimatstadt, mit der er sich nach 44 Jahren versöhnte.
Seine Auftritte sind seltener geworden. Nur mehr einmal im Monat steht er im Schnitt auf der Bühne. Ans Aufhören denkt Johannes Heesters deshalb aber noch nicht. So ganz ohne Bühne kann er nämlich nicht, sagt er. Auch nicht im 105. Lebensjahr.
Und auch den Geburtstag selbst, der sich morgen, am 5. Dezember, zum 104. Mal jährt, verbringt Heesters nicht zu Hause im Kreis seiner Familie. Sondern auf der Bühne – wo sonst? Das hat bei Heesters schon Tradition. Im Vorjahr wurde er mit einer Gala im Wiener Konzerthaus gefeiert. Diesmal hat sich der 1903 im niederländischen Amersfoort geborene Sänger und Schauspieler die Stadt Berlin zum Feiern ausgesucht, und im Admiralspalast in Berlin Mitte wird nicht nur Bürgermeister Klaus Wowereit Geschenke und Glückwünsche überbringen. Allerdings will auch der Jubilar selbst etwas zu dem Geburtstagsfest beisteuern. Er wird einige Lieder seiner neuesten CD „Generationen“ vorstellen, die er gemeinsam mit dem deutschen Tenor Claus Eisenmann aufgenommen hat.
Das schönste Geschenk hat Heesters nach eigenen Angaben aber schon bekommen, meint er auf seiner Website, auf der er auch ganz offen sein Ferienlandhaus „Kupferhäusel“ im Tiroler Ort Alpbach zur Miete anbietet. Am 16. Februar 2008 wird Heesters nämlich zum ersten Mal wieder in seiner Geburtsstadt Amersfoort auftreten. Und das ist für Heesters tatsächlich eine kleine Sensation. Denn während der Sänger und Schauspieler schon lange vor dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland Karriere machte, galt er in seiner Heimat nach dem Krieg als sehr umstritten. Weil Heesters während des Krieges das Konzentrationslager Dachau besucht hatte und weil viele Niederländer deshalb der Meinung waren, er hätte sich von den Nazis instrumentalisieren lassen, trat er in den vergangenen 44 Jahren nicht mehr in Holland auf.
Dass Heesters im Jahr 1941 im KZ Dachau war, gab er selbst auch offen zu; dass er dort gesungen habe, hat der Künstler aber immer bestritten.
Im vergangenen August sagte er der niederländischen Zeitung „de Volkskrant“: „Es tut mir leid, dass ich mich durch die SS habe verleiten lassen. Aber ich habe da nicht einen Ton gesungen“. Er habe aber immer noch Heimweh, sagte er damals und fügte hinzu, dass er sofort in den Niederlanden singen würde, „wenn mich ein Theaterdirektor einladen würde“.
Gesagt, getan. Der Direktor des Amerfoorter Theaters „De Flint“, Pieter Erkelens meldete sich kurz darauf und lud Heesters in sein Haus. „Angesichts des hohen Alters ist es an der Zeit, dass man die Vergangenheit ruhen lässt“, sagte Erkelens.
Über gute Nachrichten durfte sich Heesters in letzter Zeit mehrmals freuen. Am vergangenen Donnerstag wurde er in der Düsseldorfer Stadthalle mit dem Bambi 2007 (und minutenlangen Standing Ovations) für sein Lebenswerk geehrt. Dabei gab der Künstler zu, er habe längst aufgehört alle Lebenswerk-Preise zu zählen, die er in den vergangenen dreißig Jahren bekommen habe. Heesters gilt schließlich schon seit zehn Jahren als ältester aktiver Schauspieler der Welt. Das hat zumindest die Redaktion des Guinness-Buch der Rekorde 1997 festgestellt. Und die muss es ja wissen.
Heesters erschien am Donnerstag mit seiner um 46 Jahre jüngeren Frau Simone Rethel-Heesters und erklärte auf der Bühne, er sei mittlerweile selbst ein wenig über sein hohes Alter überrascht. Sein Lebensmotto beschreibt er aber auch am Anfang des 105. Lebensjahres mit der Frage: „Was spiele ich als nächstes?“
ZUR PERSON
Johannes Heesters wird morgen, Mittwoch, 104 Jahre alt. Zuletzt wurde bekannt, dass der 1903 in den Niederlanden geborene Sänger und Schauspieler im Februar 2008 zum ersten Mal seit vierundvierzig Jahren wieder in seiner Heimat auftreten wird. Wegen seiner Karriere im nationalsozialistischen Deutschland wurden ihm Auftritte in den Niederlanden lange verwehrt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2007)