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Islam-Quiz à la Millionenshow in Wien

(c) Die Presse (Theresa Zötl)
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Zwei Wiener Studentinnen veranstalten eine Show, bei der Wissen über den Islam abgefragt wird - dem Sieger winkt eine Pilgerfahrt nach Mekka. Das passende Brettspiel dazu soll im kommenden Jahr folgen.

WIEN. "Islam ist nicht nur Beten, Fasten und Kopftuch", sagt Amal Abrahim. Und um zu zeigen, was noch alles dazu gehört, hat sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Claudia Sarah Shabaiek ein Islam-Quiz entwickelt, das am 26. Jänner im Odeon im zweiten Wiener Gemeindebezirk ausgetragen wird.
"The green Road to Allah" ist der Titel des Quiz-Spiels, in dem Fragen rund um Grundlagen, Geschichte und Alltag im Islam gestellt werden. Dazu gibt es zwölf Fragen in verschiedenen Schwierigkeitsstufen mit jeweils vier Antwortmöglichkeiten - so ähnlich wie bei der Millionenshow. Der Titel soll das Wissen als Grundpflicht des Islams thematisieren, über die man näher zu Gott gelangt. Die Farbe Grün steht dabei für den Islam und das Paradies.

Für das Quiz, das nicht nur Muslime sondern auch Interessierte aller Glaubensrichtungen ansprechen soll, werden noch Teilnehmer gesucht. Auf der Website der Aktion kann man sich dafür noch anmelden. Der Hauptpreis ist eine Umrah - eine kleine Pilgerfahrt nach Mekka. Die beiden Veranstalterinnen rechnen mit rund 500 Gästen.

"Pflicht der zweiten Generation"

Rund um die Veranstaltung wird es ein Rahmenprogramm mit Ständen verschiedener muslimischer Organisationen geben, islamische Bücher, Kunst und Kalligraphie sollen ausgestellt werden. Auch das Modelabel "Style Islam", das etwa T-Shirts mit der Aufschrift "I love my Prophet" vertreibt, wird bei der Veranstaltung vertreten sein. Und auf der Gästeliste sollen auch einige prominente Vertreter der muslimischen Welt zu finden sein. Namen wolle man aber noch keine verraten.

Wie kam es zu dieser Initiative? "Es ist für uns eine Pflicht als zweite Generation", erklärt Amal Abrahim, "weil Österreich und der Islam ein kritisches Verhältnis haben." Die 30-jährige Studentin der Zahnmedizin will so ein Bild des Islam weitab von Vorurteilen, Terror und Gewalt zeigen. Einige der Quizfragen greifen auch provokante Themen auf, etwa ob Frauen geschlagen werden dürfen. Und, dürfen sie? "Nein", sagt Abrahim, "das steht so nicht im Koran. Das wird nur hineininterpretiert."

Als Veranstaltungsort habe man bewusst ein öffentliches Lokal nahe des Stadtzentrums gewählt, denn eine Moschee könnte viele Interessierte abschrecken. Dass das Odeon mitten im jüdischen Viertel der Stadt liegt, sei dagegen nur ein Zufall.

Keine Vereinnahmung

Besonders wichtig für die Veranstalterinnen: Man will von keiner Organisation vereinnahmt werden. Zwar arbeite man mit muslimischen Vereinen zusammen, Entscheidungsgewalt, Finanzierung - und letztlich auch Risiko - liegen jedoch zur Gänze bei ihnen. Ein Zugang, der auch bei der Islamischen Glaubensgemeinschaft positiv gesehen wird: "Es ist erfreulich, dass sie sich von niemandem einspannen lassen", sagt Mediensprecherin Carla-Amina Baghajati. Man stehe allerdings jederzeit für Hilfe zur Verfügung.

Bei allem Idealismus, mit dem Abrahim und Shabaiek an die Sache herangehen, sehen sie doch auch Widerstand auf sich zukommen - vor allem aus dem rechten Eck. Aufgeben sei dennoch kein Thema, denn "je mehr der Islam bekämpft wird, desto aktiver werden die Muslime".

Und so will man auch nach der Quizveranstaltung weitermachen. Wichtigster Punkt: "The green Road to Allah" soll als Brettspiel erscheinen. Die Quizfragen sind erstellt, das Design hat Shabaiek erledigt, ein Prototyp wurde gebaut. Jetzt fehlt nur noch ein Partner für Produktion und Vertrieb. Dann soll der islamische Ableger der Millionenshow zum Standard in vielen Kinderzimmern werden.

www.greenroad.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 5. 12. 2007)