Tanz: „Es ist eine gewisse Melancholie“

Meg Stuart und Philipp Gehmacher zeigen mit „Maybe forever“ ihre erste gemeinsame Choreografie.

Meg Stuart und Philipp Gehmacher kennen einander schon lange. Gehmacher war bei Stuart im Workshop, ließ sich mit- und hinreißen, hat, wie er gesteht, noch immer Bewegungen und Erinnerungen von damals im Kopf, die in seine heutige Arbeit mit einfließen. Stuart wurde auf Gehmacher neugierig, als sie sein Stück „Incubator“ sah: „Ich fühlte mich seinen Bewegungen nahe, ich war neugierig.“ Der Kontrast könnte größer nicht sein. Der eine: introvertiert, minimalistisch, mit strengen Bewegungen. Die andere expressiv, laut, bunt. Beide aber sezieren Zwischenmenschliches. Gerade der Kontrast ist es, von dem sich die beiden in der Arbeit mit dem jeweils anderen angezogen fühlen. Donnerstag bis Samstag zeigen Stuart und Gehmacher das Ergebnis dieses Annäherungsprozesses im Tanzquartier unter dem Titel „Maybe forever“.

Für Stuart ist das ein „sehr zerbrechliches“, ein „sehr persönliches“ Stück, das durch die Begegnung von Gehmacher und Stuart auf der Bühne, durch ihren Umgang miteinander, den Austausch von Blicken, durch „das Unausgesprochene“, durch Berührungen und Umarmungen – mit musikalischer Unterstützung von Niko Hafkenscheid zum Ganzen reift.

Es ist die Analyse der Interaktion zwischen Menschen in verschiedensten Lebenssituationen, die beiden Choreografen in dem Stück, das im Juni in Brüssel zur Uraufführung kam, vor dem Publikum ausrollen. Gehmacher versteht das als „Weiterentwicklung meiner Arbeit“, Stuart schätzt seinen „einzigartigen“ Stil, seine sehr auf die Sache konzentrierte Art zu arbeiten. Und die „neue Art der Interaktion“ – das Studiodesign, diese Kulisse, die wie ein ganz und gar nicht liebliches Puppenhaus in den Bühnenraum gestellt wird, in dem Stuart und Gehmacher auf- und abtreten können, in dessen Geschehen sie das Publikum hinein ziehen und ihm schon wenige Sekunden später den Blick von außen auf das Ganze ermöglichen können. Das Set changiert, so Gehmacher, „zwischen Musical-Hall und Krematorium“ und zeugt über das Stilmittel einer aufgemalten Pusteblume von der Vergänglichkeit des Lebens und der Liebe. Herrschen in „Maybe forever“ also Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung? „Nein – es ist eher eine gewisse Melancholie“

„Ich finde es schön, etwas zu teilen“

Entstanden ist das Stück durch Improvisation, die sich zum Bühnenstück verdichtet hat. Vorangegangen ist dem Prozess ein intensiver Dialog. „Es ist ein Schritt heraus aus der eigenen Arbeit, ich habe früher alles allein gemacht – und ich finde es schön, diesmal etwas zu teilen“, sagt Gehmacher. Es geht um den Austausch zwischen Menschen, um körperliche Begegnung, um Nähe und Zuneigung, aber auch um Absenz und Verlust. „Das sind die klassischen Duett-Themen.“ Selbst der Kontrast der beiden Künstler-Persönlichkeiten wirkt da wie aus dem Leben gegriffen: Beziehungsarbeit pur.

6., 7., 8. 12., 20.30, TQW/Halle G, Karten: (01)581 35 91; (01)960 96; www.tqw.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2007)

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