Die Hamburger Band Kante vertont im Akademietheater Texte von Peter Handke. Am Freitag spielen die fünf ein Geburtstagskonzert für den Österreicher – in Wien.
Persönlich getroffen haben sie Peter Handke noch nicht. Und das wird sich so schnell auch nicht ändern, das wissen die fünf Herren von Kante. Obwohl die Chancen an diesem Freitag theoretisch gar nicht schlecht stünden, dem österreichischen Schriftsteller zu begegnen. Schließlich geben die Musiker in Wien ein Konzert. Der Anlass? Peter Handkes heutiger 65. Geburtstag.
„Ich glaube, Handke wird an keinem der drei Tage, die das Burgtheater ihm zu Ehren veranstaltet, anwesend sein“, sagt Sebastian Vogel, der Schlagzeuger von Kante zur „Presse“. Aber darum ginge es eigentlich nicht. Die Band wurde schlicht gebeten, ein Konzert in Wien zu spielen, weil sie seit gut einem halben Jahr den Handke-Text „Spuren der Verirrten“ im Akademietheater vertont. Diesmal aber werden sie nicht Handke, sondern ausschließlich Kante-Texte zum Besten geben. „Und sicher kein Geburtstagsständchen für ihn singen“, sagt Vogel.
An Wien haben sich die fünf Musiker, die seit zwölf Jahren gemeinsam Musik machen, bereits ein wenig gewöhnt. „Auch wenn wir keine Stammkneipe gefunden haben, in der wir jeden Abend ein Bier getrunken haben.“ Dazu blieb die Zeit während der Proben im vergangenen März und April einfach nicht. Unter der Woche wurde stets sehr lang geprobt, und am Wochenende „sind wir eigentlich meistens nach Hause geflogen“.
Zu Hause, das ist für Sänger Peter Thiessen, Bassist Florian Dürrmann, Gitarrist Felix Müller und Keyboarder Thomas Leboeg die Stadt Hamburg. Dort geboren und aufgewachsen ist auch Sebastian Vogel. Der ist nur vor drei Jahren ins zwei Stunden entfernte Berlin gezogen. „Weil es viele Vorteile hat, in Berlin verankert zu sein“, sagt er. Zudem macht bei Kante eigentlich jeder auch noch „sein eigenes Ding“, wie man das in Deutschland gerne nennt. Thiessen hat früher bei der Hamburger Band Blumfeld den Bass gespielt, Müller nimmt mit seiner eigenen Band „Sport“ gerade das dritte Album auf, und Leboeg ist auch die zweite Hälfte des Elektronik-Duos „iso68“. Ein neues Kante-Album, nach dem jüngsten „Die Tiere sind müde“ (2006), bei dem sie sich mit Tierköpfen im Wald ablichten ließen, ist auch gerade in Planung. Nur wenn sich die fünf Mitte-Dreißigjährigen zum Proben treffen wollen, dann muss das eben lange geplant werden.
Ein wenig organisatorische Bedenken hatte deswegen auch das Burgtheater, als Regisseurin Friederike Heller mit ihrer Idee ankam, ein Theaterstück mit den Hamburgern zu machen. Geeinigt hat man sich dann doch – und entstanden ist eine Konzert-Schauspiel-Performance, bei der die Band den Tanz der Wörter von Peter Handke musikalisch begleitet. Und Peter Thiessen hat sogar eine kleine Sprechrolle.
Erste Erfahrungen mit dem Theater hat die Band bereits 2001 gemacht. Am Hamburger Schauspielhaus traten sie in dem Stück „A ist eine Andere“ von Andreas Sauter und Bernhard Studler auf. Und das hat offensichtlich Spaß gemacht. Als Regisseurin Heller per Email zaghaft anfragte, ob Interesse bestünde, wollten die fünf sofort mitmachen. „Auch wenn uns Peter Handke zu dem Zeitpunkt nicht viel gesagt hat.“ Die Aufregung um seine Serbien-Verteidigung vor einigen Jahren hätten sie natürlich verfolgt. Das Engagement hätten sie wegen dieser Kontroverse aber niemals abgelehnt.
Die „Spuren der Verirrten“ steht nach wie vor zwei bis drei Mal pro Monat auf dem Spielplan des Akademietheaters, so auch am kommenden Wochenende. Sebastian Vogel mag das Wiener Publikum – egal ob im Theater oder in Konzerthallen. „Die Leute sind hier so interessiert und aufgeschlossen.“ Nur Peter Handke, der war bis jetzt noch nicht zu Gast in ihrem, seinem Stück. Und das wird sich so schnell auch nicht ändern.
Zu Peter Handkes Geburtstag Seite 37
KANTE IN WIEN
Die fünfköpfige Hamburger BandKante war im Frühling für die Hintergrundmusik des Handke-Stückes „Spuren der Verirrten“ verantwortlich. Die Band gibt morgen, Freitag, um 22 Uhr im Wiener Akademietheater anlässlich Peter Handkes 65. Geburtstag ein Konzert. Am Samstag (um 20 Uhr) und am Sonntag (um 21 Uhr) wird „Spuren der Verirrten“ gezeigt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2007)