Schnell laufen, noch schärfer schießen

GEPA (Mathias Kniep)
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Die ÖSV-Athleten haben wieder neue, große Ziele, vor allem beim Heim-Weltcup in Hochfilzen.

WIEN/HOCHFILZEN. Wer in den vergangenen Monaten über Österreichs Langläufer oder Biathleten sprach, kam zwangsläufig um die Turin-Affäre, die IOC- und ÖOC-Sanktionen und die Reaktionen des Skiverbandes nicht umhin. Mittlerweile aber haben sich die Doping-Wogen geglättet, auch der Aufschrei, den die lebenslangen Olympiasperren für Trainer, Athleten und Serviceleute ausgelöst hatten, ist längst verhallt. Auch die letzte Spur, welche die Ermittler anhand der gefundenen Blutbeutel bis zu einer Privatklinik in Wien geführt hat, dürfte nicht die erhofften, alles klärenden Ergebnisse gebracht haben. Denn weitere Fakten wurden bis dato nicht mehr bekannt.

„Der Sport geht weiter“

Dennoch ist die Affäre noch immer nicht ausgestanden. Alle ÖSV-Trainer wurden für Olympia gesperrt, der Skiverband hat aber darauf nicht reagiert – die gleiche Belegschaft arbeitet weiterhin im FIS- und IBU-Weltcup. „Bis Juni 2008 wird es eine Entscheidung geben“, erklärt Markus Gandler, Sportdirektor für Langlauf und Biathlon. Gut möglich, dass alle Betreuer im Amt bleiben – sofern die Weltverbände keinen Einspruch dagegen einlegen –, für den Zeitraum olympischer Spiele aber Fachkräfte aus dem Ausland angemietet und die gesperrten Personen „weit weg auf Urlaub geschickt“ werden. Aber auch eine Entlassung ist nicht auszuschließen. Das Wissen um das Damoklesschwert sei nicht lustig, sagt Gandler, wichtiger aber „ist es, dass die Athleten den Kopf frei haben – und der Sport weitergeht!“

Während im Langlaufteam bis auf Christian Hoffmann und Jürgen Pinter kein namhafter und aussichtsreicher Athlet übrig geblieben ist – Martin Tauber macht ein Jahr Pause und wartet auf sein CAS-Urteil, Johannes Eder und Mihail Botwinow beendeten ihre Karrieren –, befinden sich die Biathleten im Aufwärtstrend. Mit Tobias Eberhard, Simon Eder, Ludwig Gredler, Daniel Mesotitsch, Fritz Pinter und Christoph Sumann steht Trainer Alfred Eder ein Sextett zur Verfügung, von dem jederzeit ein Läufer für einen Podestplatz gut ist. Mit Nicole Pfluger und Iris Waldhuber sind sogar zwei Damen auf den Weltcup-Loipen unterwegs, die Junioren Dominik Landertinger, Sven Grossegger und Julian Eberhard gelten als Versprechen für die Zukunft. „Bei den Biathleten haben wir nicht das Problem, welches uns beim Langlauf plagt“, verrät Gandler, „denn hier haben wir genügend Nachwuchs.“ Offensichtlich bietet diese Sparte in Österreich mehr Optionen, definitiv ist sie auch attraktiver für junge Menschen. In Deutschland und Norwegen sind Biathleten bereits Topstars, zu Bewerben in Oslo oder Ruhpolding strömen die Massen. Ein Trend, der langsam – dank Mithilfe aus dem Ausland – auch in Österreich zu greifen scheint. Denn die Weltcup-Bewerbe in Hochfilzen sind ausverkauft, 20.000 Besucher werden Samstag und Sonntag erwartet. „Und für Freitag gibt es nur noch Streckenkarten“, reibt sich Gandler die Hände. Die Kassa klingelt, dafür sorgen Scharfschützen wie Greis oder Björndalen. Der Geldsegen ist wichtig, schließlich waren finanzielle Einbußen nach Turin unvermeidbar.

Traum vom Podestplatz

Nach dem starken Saisonauftakt in Kontiolahti wollen sich Pinter und Co. in Hochfilzen behaupten. Im WM-Ort von 2005 soll ein Zeichen gesetzt werden. „Man muss es in jedem Rennen neu beweisen, aber ich hoffe auf den Sprint, da ist ein Podestplatz durchaus möglich“, meinte Cheftrainer Alfred Eder. Er traue Pinter – mit Plätzen sieben (zweimal) und zehn ist der Kärntner Gesamt-Dritter im Weltcup – einiges zu. Viel verändert habe sich im Training nicht, sagt Eder. Nur könne jetzt eben das vorhandene Potenzial „unbelastet“ eingesetzt werden. Ohne Doping-Gespenst, das einen verfolge.

Weltcup-Programm Hochfilzen, Freitag: Sprint Herren (11:30) und Damen (14:15).

Samstag: Verfolgung Herren (13) und Damen (15).

Sonntag: Staffel Herren (11) und Damen (13:30).

AUF EINEN BLICK

Ab Freitag macht der Biathlon-Weltcup wieder in Hochfilzen Station. Nach dem erfolgreichen Saisonauftakt spekuliert die ÖSV-Mannschaft mit einem Podestplatz – beste Chancen darauf hat der Kärntner Fritz Pinter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2007)

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