Tickets für die Euro: Letzte Chance

AP (Georgios Kefalas)
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Ein letztes Kontingent kommt im Frühjahr auf den Markt, doch die Chancen sind gering. Realistische Chancen gibt es noch am Schwarzmarkt und für Berufspolitiker – mit allen Nebenwirkungen.

Wer sich bis jetzt noch nicht um Tickets für die Euro 2008 gekümmert hat, wird die Spiele vermutlich doch nur vor dem Fernseher oder in Public Viewing-Zonen mitverfolgen können. Denn an jene Karten, die in Umlauf gelangen, kommt man nur schwer heran. Die Möglichkeiten:

1 Ein letztes Kontingent kommt im Frühjahr auf den Markt.Der ÖFB erhält noch ein Kontingent von etwa 20 Prozent für die drei Vorrundenspiele – also etwa 10.000 Tickets pro Spiel. Ein guter Teil davon wird aber für Fans reserviert, die viele Spiele der Nationalmannschaft besucht haben – als Dank für die Treue. Ein weiterer Teil wandert zu österreichischen Fußballvereinen, die damit Fans und Funktionäre in die Stadien bringen. Der Rest geht in den Verkauf. Wie der abläuft, ist noch nicht klar. Erst am 1. Jänner wird der ÖFB bekannt geben, wann und nach welchem Verfahren die Karten abgegeben werden. Voraussichtlich wird es dann wieder eine Anmeldephase mit Auslosung geben, die vermutlich im Februar oder März stattfindet. Macht eine Bewerbung noch Sinn? „Die Chance ist gering“, sagt ÖFB-Sprecher Stefan Illek, „aber vorhanden“.

2 Am Schwarzmarkt werden die ersten Tickets gehandelt.Erste Meldungen vom Schwarzmarkt ließen nicht lange auf sich warten – und das, obwohl es die Tickets selbst noch gar nicht gibt. Sie werden erst kurz vor der EM zugestellt. Allerdings wurden bereits bei der Bewerbung rund 20.000 Anträge abgewiesen, die von der Uefa als verdächtig eingestuft wurden. Und dann? „Die Weitergabe von Tickets an sich ist nicht illegal“, sagt Turnierdirektor Christian Schmölzer. Aber dies sei nur zum Nennwert zulässig. Unterbunden wird der Ticketverkauf, wenn der Preis höher ist. Das dümmste, was Inhaber eines Tickets machen können, wäre der Weg über eine Auktionsplattform wie eBay. Wird eine personalisierte Karten entdeckt, sperrt die Uefa das Ticket. Das Gleiche passiert mit Karten, die über Ticketbroker wie „Euroteam“ verkauft werden, wo Finaltickets für 4900 Euro angeboten werden.

Erfährt die Uefa nichts davon, sind Kontrollmöglichkeiten aber begrenzt. „Die Personalisierung scheitert daran, dass man am Drehkreuz vor dem Stadion nicht die Identität aller Fans mit dem Ticket abgleichen kann“, so Schmölzer. Lässt man sich aber ein gesperrtes Ticket andrehen, kommt man nicht durch die Kontrolle. Dass die Anbieter das Geld dann zurückgeben, ist unwahrscheinlich.

3 Man wird Bundespräsident, Kanzler oder dergleichen.Repräsentanten des Staates werden bei jedem Länderspiel von den Kameras eingefangen. Demnach müssen Alfred Gusenbauer & Co ihre Tickets auch irgendwo her haben. Tatsächlich stellt die Uefa pro Spiel 120 Karten für die österreichische Politik zur Verfügung. 20 davon sind Ehrenkarten, die restlichen 100 müssen bezahlt werden. Das Bundeskanzleramt verwaltet das Kontingent und teilt die Karten auf Präsidentschaftskanzlei, Bundesregierung, Parlament, oberste Gerichtshöfe und die Volksanwaltschaft auf. Wer letztlich bei welchem Spiel dabei sein wird, wird aber erst entschieden. Man kann aber davon ausgehen, dass Bundespräsident und -kanzler bei der Eröffnung und beim Finale dabei sein werden.

4 Es gibt noch einen letzten Rest an VIP-Paketen.Wer 1250 Euro für ein Gruppenspiel hinlegen möchte – inklusive Gourmet-Catering im VIP-Bereich, Souvenirs und beste Sitzplätze – kann sich um ein Hospitality-Ticket umsehen. Die Agentur IMG vergibt Pakete, um die sich vor allem Big Player in der Wirtschaft noch bemühen. Auch aus Russland oder Kroatien kommen laufend Nachfragen. Problem: Rund 85 Prozent der Tickets sind schon weg. Und hier hat tatsächlich der freie Markt das Sagen: Wer zuerst kommt, bekommt die Karten.

5 Österreich steigt ins Viertelfinale auf.Für den Fall, dass Österreich die Vorrunde übersteht, darf der ÖFB mit weiteren Kontingenten für das Viertelfinale rechnen. 6000 Stück müsste der Fußballbund dann innerhalb relativ kurzer Zeit unters Volk bringen. Auch für das Semifinale gingen noch einmal 6000 Tickets an Österreich. Für eine Finalteilnahme gäbe es 20 Prozent der Karten, also etwa 10.000.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2007)

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