Die Agentur Neutor steckt Veloce-Fahrer ins Werbedress. „Das ist eine gute Möglichkeit, ein positives Image zu transportieren.“
WIEN. Sie bringen Pakete und eilige Briefe. Sie flitzen zu Stoßzeiten schneller durch die Stadt als ein Ferrari und sind aus dem Wiener Stadtbild nicht mehr wegzudenken: die Fahrradboten. Seit neuestem sind sie auch als radelnde Plakatflächen zu mieten – eine Idee von Neutor. Ursprünglich war die Agentur ein Kunde von Veloce – der Botendienst erledigte Sendungen, überbrachte DCs. Dann kam die Initialzündung: „Wir dachten, den gelben Rucksack der Veloce-Boten kennt man – warum aber sollte nur der Rucksack einheitlich sein?“, erzählt Roland Regnemer von Neutor.
Apfelgrün durchs Sommerloch
Im Sommer hat man sich daher mit Veloce an ein erstes gemeinsames Projekt gewagt – und die Radler in apfelgrüne Trikots gesteckt, auf dass sie Durst auf „Granny's“ (passenderweise eine Marke von Radlberger) machen. Schon war eine originelle, relativ günstige Werbeidee geboren.
„Das ist eine gute Möglichkeit, ein positives Image zu transportieren“, meint Regnemer: Wer einen Fahrradfahrer mit einem Werbesujet versieht, der demonstriere seinen Willen zum Klimaschutz und zum Kampf gegen die Feinstaubbelastung durch den Stadtverkehr.
20 Firmenkontakte täglich
„Wir wissen, dass ein Fahrradbote im Schnitt täglich etwa 20 Kontakte zu Firmen hat.“ Beim Abholen und Ausliefern – und dazwischen auf unzähligen Kilometern unterwegs. Allerdings: „Um auf dem Dress eines Radlers mit einer Werbung auch aufzufallen, reicht ein Aufnäher allein nicht“, so Regnemer, der früher selbst Spitzensportler (Segler) war und dort auch weiterhin mit einem beruflichen (Agentur-)Standbein verankert ist. Um bei Passanten oder in den Büros aufzufallen, wurden die Veloce-Fahrer daher komplett „gebrandet“ und haben außerdem bei jeder Botenfahrt auch gleich ein gekühltes Getränk verteilt, dazu gab's auch ein Gewinnspiel im Radio – mit hohen Rücklaufquoten, trotz Sommerloch.
„Aufgrund dieser Pilotaktion haben wir jetzt einen Exklusivvermarktungsvertrag mit Veloce – unter Velocity.“ 2008 geht's los. Kunden gibt es schon – werden aber noch nicht genannt. „Vor allem der Zeitraum rund um die Euro '08 ist gefragt.“ Die Bandbreite der Interessenten reicht von Tourismusbetrieben bis zu Dienstleistern. Gebucht werden kann immer nur die ganze „Flotte“ der Veloce-Boten. 25 Fahrer radeln täglich hauptberuflich durch Wien und werden für diese Zeitspanne mit eigens angefertigten einheitlichen Dressen ausgestattet. „Gebrandet“ wird jeweils für zwei Monate – „sonst funktioniert der Imagetransfer nicht und der logistische Aufwand wäre zu hoch“, so Regnemer.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.12.2007)