Skispringen: Über den Wolken

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Warum Thomas Morgenstern der Konkurrenz enteilt, dem Kärntner das rote Trikot so wichtig ist, er immer gewinnen will.

WIEN/TRONDHEIM. Er grinst schelmisch und ist um Schabernack stets bemüht, doch geht es ums Skispringen, kennt der 21-jährige Kärntner Thomas Morgenstern keinen Spaß mehr. Freilich, das Springen selbst macht ihm Freude, es bedeutet ihm alles – doch sitzt er einmal auf dem Absprungbalken, frisst ihn der Ehrgeiz. Da will er es sich, dem Trainer und dem Rest der Skisprung-Welt zeigen. So eindrucksvoll wie möglich, aber das versteht sich für Morgenstern von selbst.

Natürlich ist diese Haltung nicht automatisch von Erfolg gekrönt, den „Wettkampf-Modus“ vermochten weder Cheftrainer Alexander Pointner noch Mentor Toni Innauer zu „korrigieren“. Momentan gibt der Erfolg Morgenstern recht – in dieser Saison konnte den Doppel-Olympiasieger noch keiner abfangen. Nach drei Siegen in Ruka und Trondheim führt er überlegen im Gesamtweltcup und stellt seine Verfolger damit vor ein Rätsel. Er selbst erklärt sich den Erfolg simpel: „Ich habe nichts verändert, nur habe ich die Vorbereitung ohne Verletzung absolviert, habe den Sommer-GP und damit Selbstvertrauen gewonnen. Und irgendwie hat es mir gereicht – ich wollte nicht mehr nur Zweite sein. Ich will gewinnen – immer.“

Natürlich ist Skispringen nicht nur Abenteuer im Kopf, sondern von Technik, Gefühl, Sprungkraft und der Industrie (Schuh, Ski und Anzug) geprägt. Diese Kombination vereint der Seebodener am besten und ob seines Auftretens werden nun auch bereits Vergleiche mit Andreas Goldberger bemüht. „Goldi“ war der Liebling der Nation und gewann als bis dato letzter Österreicher 1996 den Gesamt-Weltcup.

Mannschaft als Rückhalt

Als „Goldi-Nachfolger“ sieht sich Morgenstern nicht, er sei „doch ein anderer Mensch“. Aber Gesamt-Weltcupsieger will er dennoch werden, dem Vorhaben ordnete er alles unter. Dieser Titel zeige die wahre Stärke, das tatsächliche Können eines Sportlers. Es zähle die Leistung der Saison, nicht nur die eines Tages. Auf dem Weg dorthin will sich Morgenstern übrigens drei Wünsche erfüllen: „Ich wollte in Villach mit dem roten Trikot springen, in Villach gewinnen und in Planica 2008 (Anm.: Als Gesamtsieger) noch immer in rot springen.“ Dass es ein „gewaltiges Gefühl“ sei, nun zu Hause vor seinen Freunden und seiner Familie zu springen, musste der Kärntner nicht extra betonen. „Ich will es genießen...“

Ein Geheimnis, das seinen Höhenflug erkläre, gibt es nicht, sagt Morgenstern. Es sei aber auch ein Verdienst der Mannschaft, täglich finde im Training ein Wettkampf statt. Es gebe keine Nummer 1, der direkte Vergleich mit Kofler, Loitzl und Schlierenzauer motiviere, ebenso der freundschaftliche Zusammenhalt. Druck braucht sich Thomas Morgenstern keinen mehr zu machen, das weiß er auch. Denn mit 21 hat er schon mehr gewonnen als so manch anderer in seiner ganzen Karriere. Vielleicht ist genau diese Tatsache das Geheimnis seines Erfolges.

ZUR PERSON

Thomas Morgenstern: *30. Oktober 1986 in Spittal/Drau. Wohnort: Seeboden. 1,84 m; 67kg. Verein: SV Villach.

Größte Erfolge, Olympia 2006: Gold Großschanze, Team-Gold.
WM: Team-Gold 2005 Normalschanze und Großschanze.
Team-Gold 2007 Großschanze. Bronze 2007 Normalschanze.
Skiflug-WM: Bronze 2006, Team-Bronze 2004.
Junioren-WM: Einzel- und Team-Gold 2003, Silber 2004.
Weltcup, 5 Siege: Liberec 2003, Lillehammer 2006, Ruka und Trondheim (2) 2007.

www.thomasmorgenstern.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.12.2007)

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