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Steyr-Panzer: Tschechien storniert 800-Mio.-Euro-Deal

(c) AP (Österreichisches Bundesheer)
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199 "Pandur"-Radpanzer bleiben in Österreich. Liefertermine seien nicht eingehalten, Tests nicht bestanden worden, begründet Tschechien den Rückzug.

"Wir stolpern von Firmenrekord zu Firmenrekord", hatte sich Herwig Jedlaucnik, Projektleiter des österreichischen Panzer-Produzenten Steyr-Daimler-Puch Spezialfahrzeuge (SSF) in Tschechien, im Jänner 2006 gefreut. Damals hatte Steyr die Lieferung von 199 "Pandur II"-Radpanzern um rund 800 Mio. Euro an die tschechischen Streitkräfte fixiert. Es wäre der größte Auftrag der Firmengeschichte gewesen.

Wäre, denn heute kündigte die tschechische Regierung den Auftrag an den in Wien-Simmering ansässigen Panzer-Produzenten. Steyr habe die vereinbarten Liefertermine nicht eingehalten, darüber hinaus hätten die bereits gelieferten Radpanzer die vorgesehenen Tests nicht bestanden, erläuterte Verteidigungsministerin Vlasta Parkanova am Dienstag die Entscheidung. Eine Stellungnahme von Steyr war nicht zu erhalten.

Jeder vierte Panzer bestand Tests nicht

Etwa ein Viertel der bisher gelieferten Panzerfahrzeuge hätte die vorgesehenen Tests nicht bestanden, es habe eine Reihe von Problemen gegeben, erklärte die Ministerin. Außerdem habe Steyr die vereinbarten Liefertermine nicht eingehalten. Laut Kaufvertrag hätte Steyr Spezialfahrzeuge die ersten 17 Radpanzer bis Ende November liefern sollen. Dies sei aber nicht geschehen, so dass seit 1. Dezember die Pönale-Frist laufe.

Steyr hatte laut Parkanova angeboten, eine verbesserte Version der Radpanzer bis März 2008 zu liefern, also mit einer Verspätung von einem halben Jahr. "Falls wir darauf eingegangen wären, hätten wir immer wieder Zugeständnisse machen müssen", sagte die Ministerin.

Harte finnische Konkurrenz

Steyr hatte Anfang 2006 den lange umkämpften Großauftrag der tschechischen Armee zur Lieferung von 199 Radpanzern "Pandur II" erhalten. Darüber hinaus wurde eine Option zur Bestellung weiterer 35 Panzerfahrzeuge vereinbart. Es handelte sich um den größten Auftrag in der Geschichte der tschechischen Armee. Steyr hatte sich bei der Ausschreibung gegen den finnischen Konkurrenten Patria Vehicles durchgesetzt.

Seitdem unterlag SSF Ende 2006 den finnischen Konkurrenten bei der Ausschreibung um einen Großauftrag aus Slowenien im Wert von knapp 280 Mio. Euro. Auch im August dieses Jahres gingen die Österreicher in Kroatien leer aus - wieder hatten die Finnen die Nase vorne.

Neue Regierung bekämpfte Panzer-Deal

Den Vertrag mit SSF hatte 2006 der damalige Verteidigungsminister Karel Kühnl unterzeichnet. Der Vertrag war heftig von der nun regierenden konservativen Demokratischen Bürgerpartei (ODS) des Premiers Mirek Topolanek kritisiert worden. Die Regierung in Prag habe die Kündigung des Vertrages mit Steyr Spezialfahrzeuge einstimmig beschlossen, heißt es. "Die Regierung wurde über die Tatsache informiert, dass der Vertrag nicht ordentlich erfüllt wird", sagte Parkanova laut tschechischen Medienberichten. Tschechien werde die vereinbarten Vertragsstrafen geltend machen. (Ag./Red.)