Banken: IWF ortet Schwächen bei Kontrolle

Insgesamt sei das österreichische Finanzsystem schockresistent, sagen Experten.

Wien (APA/red.). Die gute Nachricht für Österreich: Das Finanzsystem Österreichs ist im internationalen Vergleich „schockresistent“. Zu diesem Ergebnis kommen Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF), die sich in den vergangenen Wochen in Wien aufgehalten haben, um die heimische Finanzlandschaft zu durchleuchten. Die Fachleute aus Washington trafen dabei mit Vertretern von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), den Banken, dem Finanzministerium und der Finanzmarktaufsicht (FMA) zusammen.

Ost-Risiken überwachen

Von den nach der US-Hypothekenkrise entstandenen Finanzmarktverwerfungen sind die österreichischen Banken in den Augen des IWF vergleichsweise unbeschadet geblieben. Grund ist die solide Einlagenbasis.

Das Osteuropa-Engagement der Banken sehen die Experten aber ambivalent: Die Chancen der Ostöffnung seien frühzeitig genutzt worden. Doch jetzt orten die Ökonomen auch Risiken beim umfangreichen Ost-Geschäft der Banken. Diese müssten genauer überwacht werden.

Heftige Kritik hagelte es für die Amtshaftung, wie sie hierzulande gilt. Diese belastete den Steuerzahler, binde zu viele Aufsichtsressourcen und führe zu „Moral Hazard“ bei den Marktteilnehmern: Unter Moral Hazard beschreiben Fachleute üblicherweise die Versuchung, dass Banken oder andere Finanzdienstleister riskantere Geschäfte machen oder weniger Vorsicht walten lassen, weil sie sich darauf verlassen können, dass die öffentliche Hand im Krisenfall ohnehin zur Kasse gebeten werden kann.

Erst vor wenigen Tagen gab es in Österreich ein brisantes Amtshaftungsurteil in erster Instanz im Fall Amis: Weil die Wertpapieraufsicht seinerzeit versagt hat, könnte nun der Steuerzahler zur Kasse gebeten werden. Dem Staat drohen teure Schadenszahlungen, wenn das Urteil rechtskräftig wird.

Der IWF fordert auch eine stärkere personelle Ausstattung der Aufsicht in allen Bereichen. Weitere Vorschläge des IWF: Ausbau der Vor-Ort-Prüfungen bei Finanzinstituten, grenzüberschreitende Krisen-Simulationsübungen sowie intensivere Stress-Tests auch bei Versicherungen und Pensionskassen. Die Höhe der Verwaltungsstrafen, die die FMA verhängen kann, sollte empfindlich angehoben werden. Die Verantwortlichkeiten der Wirtschaftsprüfer sollten genauer definiert werden.

Offizielle Stellungnahme folgt

Den Report des IWF und detaillierte Formulierungen der Experten gibt es laut Finanzministerium bisher aber noch nicht für die Öffentlichkeit. Der Text, aus dem Finanzministerium, FMA und OeNB am Mittwoch zitiert haben, ist ein erster Entwurf. Zu den IWF-Aussagen will Österreich in den ersten Wochen 2008 offiziell Stellung nehmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2007)

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