Schön gerechnet, blöd geschaut

Die Arbeitslosigkeit ist kaum wo niedriger als in Österreich. Sagt zumindest die Statistik.

Österreichs Politiker fahren ausgesprochen gerne nach Brüssel, wenn das Thema Arbeitsmarkt auf der Agenda steht. Kein Wunder. Heuer werden von den 27 EU-Staaten lediglich die Niederlande, Luxemburg und Dänemark eine niedrigere Arbeitslosenquote ausweisen als Österreich, das mit geschätzten 4,3 Prozent einer Vollbeschäftigung schon verdammt nahe kommt.

Also alles paletti? Leider nicht. Es wäre ja auch beunruhigend, wenn wir nicht wieder das eine oder andere Haar in der Suppe fänden. In diesem Fall handelt es sich aber leider um eine ganze Frisur.

So wäre einmal festzuhalten, dass sich Österreichs Regierungen niedrige Arbeitslosenraten seit Jahren mit teuren Frühpensionierungen erkaufen. Hinzu kommt eine beträchtliche Entlastung der Statistik durch junge Menschen, die besonders gründlich zu studieren scheinen und ihr Wissen oft erst mit Anfang 30 dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen. Und das auch nicht erst seit gestern.

Nicht zu vernachlässigen wären freilich sogenannte staatliche Weiterbildungsprogramme, in denen tausende Langzeitarbeitslose versteckt werden.

Wenn es also darum geht, die Statistik durch Nicht-Arbeit zu „schönen“, sind wir kaum zu schlagen. Weniger erfolgreich sind wir mit dem genauen Gegenteil davon: In keinem anderen EU-Staat zahlt es sich für Arbeitslose so wenig aus, einen Job anzunehmen, wie in Österreich. Weil der Sozialstaat für das Nicht-Arbeiten sehr gut bezahlt und das Arbeiten besonders hart mit Steuern und Sozialabgaben bestraft. (Bericht: S.27)


franz.schellhorn@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.12.2007)

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