USA: Morgan Stanley warnt vor Rezession

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Ein Prozent minus für die nächsten drei Quartale.

wien (cjd) Die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley schlug am Donnerstag Alarm: In einem Report mit dem Titel „Rezession im Kommen“ zeigte sich das US-Team sehr skeptisch zur weiteren Entwicklung der US-Ökonomie. Bereits jetzt seien die Auswirkungen der Kreditkrise deutlich zu erkennen, so der Konsens.

Investitionen amerikanischer Unternehmen könnten massiv zurückgehen, warnt der Chefökonom der Investmentbank, Dick Berner. Denn Geld in den USA sei so knapp wie seit langem nicht mehr. Für die USA sei es ein Schock, dass Banken gerade jetzt auf die Kreditbremse steigen. Denn insbesonders die letzen Jahre hat die US-Wirtschaft auf Kosten der laxen Kreditbedingungen gelebt. Auch dem privaten Verbrauchern stehe daher ein „Sturm bevor“, so Berner. Ein weiteren Wachstums-Hemmer sehen die Experten in der US-Bauwirtschaft. Sie befindet sich seit dem Beginn der Krise auf einem Niveau wie „seit 1959 nicht mehr“. Berner rechnet mit einem Rückgang des privaten Wohnungsbaus um 40 Prozent.

Rettungsplan mit Folgen

Skeptisch zeigen sich die Ökonomen auch bezüglich des Rettungsplans von George Bush und Finanzminister Henry Paulson: Ein Einfrieren der Kreditzinsen für einen Teil der gefährdeten Kreditnehmer könne die Krise zwar teils entschärfen. Allerdings, so die Experten, könnte die Aktion auch nach hinten losgehen. Nämlich dann, wenn die Aktion zu einer zusätzlichen Risikoprämie für neue Kredite führe. Denn diese könnte weitere Hypotheken-Institute aus dem Markt treiben.

Asien und Europa können die USA wohl kaum aus der Krise ziehen. Die japanische Wachstumsprognose für 2008 haben die Ökonomen von 1,9 auf 0,9 Prozent herabgesetzt, auch vor Auswirkungen der Kreditkrise auf die Eurozone wird gewarnt. Fazit: „Die US-Nachfrage wird in den ersten neun Monaten mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Prozent im Quartal verlieren“, so Dick Berner. „Aber“ so der Ökonom „die Auswirkungen könnten bei weitem drastischer sein, wenn die amerikanische Zentralbank den Leitzins nicht rasch genug absenkt“. Mr. Berner – bei Morgan Stanley als „resident bull“ bekannt – ist einer der wichtigsten Meinungsmacher der Wall Street.

AUF EINEN BLICK

Morgan Stanley spricht als erste Wall Street Bank offen von einer kommenden Rezession. Minus ein Prozent Wachstum über die nächsten drei Quartale, so die Prognose von Chef-Ökonom Dick Berner. Gesetzt den Fall, die FED reagiert rechtzeitig mit weiteren Zinssenkungen, so Berner.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.12.2007)

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