War das ein Jahr für die Kunst in Österreich!
Radikal. Revolutionär. Visionär. Würde der MAK-Direktor sagen. Nach Jahrzehnten der Ignoranz konnte er heuer endlich, unter einem bereits legendären 1000-PS-Hupkonzert der angereisten Stararchitekten, seinen „Contemporary Art Tower“ im Flakturm eröffnen – auf dessen Vernissage ihm eine in leidenschaftliche Emphase verfallene Kunstministerin spontan eine Vertragsverlängerung auf Lebenszeit versprach.
Seit wir die Biennale Venedig gewonnen haben und daraufhin der Eintritt in alle Museen freigegeben wurde, hat das Land seine „Sammlung Österreich“ überhaupt wieder ins Herz geschlossen. Tagtäglich führen staunende Direktoren johlende Massen durch ihre Häuser; Maria Lassnig, Arnulf Rainer, Valie Export zeigten sich derart gerührt, dass sie dem Staat ihre Vorlässe überschrieben.
Worauf die Ministerin sogleich den Startschuss zu einem neuen bahnbrechenden Museum des 21.Jahrhunderts gab, das von Coop Himmelb(l)au auf der Donauplatte bereits zu bauen begonnen wurde. 2009 wird spektakulär eröffnet, Francesca Habsburg hat schon ihre Kunstsammlung gestiftet.
Höhepunkt des Jahres war aber der viel diskutierte Kraftakt des KHM-Generals: Gesponsert von mehreren Versicherungen tranken er und seine zu Hilfe geeilten Kollegen am KHM-Punschstand derart viel „Fröhliche Furie“ und „Flotter Satyr“, dass nicht nur die Kunstkammer sogleich eröffnet werden konnte, sondern auch der Ausstellungszubau finanziert war. Unglaublich. Aber wahr. Vielleicht 2008.
almuth.spiegler@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.12.2007)