Ski Nordisch: Geerntet wird am Schanzentisch

(c) Gepa (Oskar Hoeher)
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Das Adler-Team erlebt mit Seriensieger Thomas Morgenstern einen Höhenflug. Für Toni Innauer ist es die perfekte Symbiose von Mensch, Material und Natur.

VILLACH. Wäre Toni Innauer Landwirt geworden, würde er heute seinen Acker hegen und pflegen, und wie er selbst stolz sagt, sich alljährlich auf die Ernte freuen. Da der Vorarlberger aber den geschulten Blick für Skispringer, Trainer und Schanzentische entwickelte, muss er nicht in der Erde graben, sondern geduldig darauf warten, dass ihm seine „Früchte“ entgegenfliegen. Dass das Schlaraffenland nur eine pure Wunschvorstellung ist, musste Innauer gar nicht anmerken. Wer aber die Siegesserie vom Kärntner Thomas Morgenstern verfolgt hat, könnte durchaus Parallelen finden...

Vier Siege aus vier Bewerben, zuletzt am Donnerstag in Villach, sprechen eine klare Sprache: Die ÖSV-Adler sind die Nummer 1, und diese Tatsache erfüllt Innauer mit Stolz. „So einen Höhenflug haben wir seit zehn Jahren, seit Goldberger nicht mehr gehabt. Wir mussten Serien von Malysz, Ahonen oder Janda als Beobachter akzeptieren, da kannst nichts dagegen machen. Aber jetzt zeigen wir es vor, wir haben diese Situation durch unsere akribische Arbeit auch provoziert. Und darum genieße ich es in vollen Zügen!“

In Villach wurde auch erneut deutlich, dass sich freilich viel, aber nicht alles nur auf Morgenstern konzentriert, sondern „das ganze Teamgefüge intakt ist“, sagt Innauer. Und das gemeinsame Umgehen mit dem Erfolg, das Erleben, Wahrhaben und Verarbeiten stärke jeden seiner Athleten. „Wirklich begreifen, was ihm jetzt gelungen ist, wird Morgi erst viel später“, spricht sein Mentor in Anspielung auf seinen Olympiasieg (1980, Lake Placid) aus Erfahrung. Eine Höchstform dieser Ausformung sei etwas „fein Gestricktes“, sie zu konservieren und eventuell beim Saisonhöhepunkt, der Vierschanzentournee, auszuspielen, umso schwerer. Innauer: „Garantieren kannst gar nichts. Wie heißt es so schön: Carpe diem!“

Kleider machen Leute

Skispringen wird aber nicht nur von Gefühl, Wind und etwaiger Form geprägt, sondern auch von der Industrie gelenkt. Auch in diesem Bereich lässt Innauer nichts unversucht und mit der Firma Starl fand er in Attnang-Puchheim einen professionellen Partner, was die Anzugswahl betrifft. Der ÖSV verfügt daher exklusiv über „Weltklasse-Material“, ein vielleicht mitentscheidender Faktor des Höhenfluges, auch bei den Kombinierern. Die Mannschaft von Trainer Alexander Diess bestreitet am Wochenende in Ramsau ebenfalls ein Heimspiel, auch hier rechnet sich Innauer einiges aus. Zuletzt ließ ja Christoph Bieler mit dem Sieg in Trondheim aufhorchen.




Programm, Ramsau, Samstag: Massenstart-Bewerb (10-km-Langlauf/14, Springen/16). Sonntag: Sprint (Springen/12, 7,5-km-Langlauf/14.30)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.12.2007)

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