Trotz der Finanzmarktkrise drängen 2008 viele Unternehmen an die deutsche Börse.
Frankfurt (red./Reuters). Ungeachtet der Turbulenzen an den Finanzmärkten dürfte das Thema Börsengang für viele Unternehmen im kommenden Jahr wieder auf der Agenda stehen. Die Investmentbanker der großen Finanzhäuser sprechen nach einem dürren zweiten Halbjahr 2007 von vollen Terminkalendern.
„Wir sind vorsichtig optimistisch für 2008“, sagte Joachim von der Goltz von JPMorgan. „Wir rechnen mit über 20 Börsengängen mit einem Emissionsvolumen von jeweils über 100 Mio. Euro.“ Als Kandidaten werden der Mischkonzern Evonik, der Versicherer Talanx, die HSH Nordbank und die Deutsche Bahn genannt.
„Wenn der Markt hält, kann ich mir vorstellen, dass wir eine ähnliche Zahl von IPO's (Initial Public Offering = Börsengang) sehen werden wie heuer“, sagt auch Klaus Fröhlich von Morgan Stanley. Nach Ausbruch der US-Immobilienkrise im Sommer war das Interesse von Unternehmen an einem Börsenlisting stark gesunken. Nur fünf Firmen wagten nach der Sommerpause den Sprung an den stark regulierten Prime Standard der Frankfurter Börse, nachdem bis Ende Juli noch 18 Unternehmen an den Aktienmarkt gegangen waren. Zusammen sammelten die 23 Börsenneulinge gut sieben Mrd. Euro bei Investoren ein.
Die Aktien der Neulinge notieren bis auf vier Ausnahmen unter ihrem Ausgabepreis. Die meisten Anleger haben mit Börsengängen in diesem Jahr also kein Geld verdient, das Umfeld für die anstehenden Aspiranten dürfte daher rauer werden. „Aber wenn das Geschäftsmodell überzeugt, dann werden die Investoren zugreifen“, sagte Andreas Bernstorff von Citi.
Sollten die Märkte wieder in ruhigeres Fahrwasser geraten, dürften vor allem Beteiligungsfirmen die Börse zum Ausstieg nutzen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2007)