Drei Instituts-Standorte, nur halbtags besetzte Sekretariate und viele leere Kilometer für Studenten – damit soll bald Schluss sein.
Wien. Studenten der Publizistik müssen im Verlauf ihres Studiums vor allem eines – Kilometer machen. Denn das Institut ist auf drei Standorte verteilt – die Schopenhauerstraße und die unmittelbar daneben gelegene Theresiengasse in Währing, sowie die Außenstelle in der Lammgasse im achten Bezirk. Zusätzlich werden auch noch größere Lehrveranstaltungen im Hauptgebäude der Uni abgehalten, für die eine oder andere Vorlesung muss auch ins Neue Institutsgebäude, ins Alte AKH, ins Universitätszentrum Althanstraße und sogar ins Dolmetschinstitut im 19. Bezirk gepilgert werden.
Schnelle Absprachen unmöglich
„Das macht die Zusammenarbeit natürlich schwer“, sagt Institutsvorstand Hannes Haas. Schnelle Absprachen bei einem Kaffee zwischendurch sind so kaum möglich, Konferenzen müssen umständlich organisiert werden. Und scheinbar banale Dinge wie die Verteilung der Post geraten zur logistischen Großaufgabe.
Erschwerend kommt hinzu, dass einzelne Standorte zum Teil personell so schwach besetzt sind, dass oft nicht einmal ein Ansprechpartner zu finden ist – sofern man überhaupt hineinkommt: In der Lammgasse steht eine junge Studentin und drückt den Klingelknopf, neben dem der Name des stellvertretenden Institutsvorstands, Peter Vitouch, steht. Nach einigen Minuten nochmal, diesmal schon sichtlich entnervt. Schließlich läutet sie bei einem anderen Namen. Endlich geht die dunkle Holztür auf. Dann die nächste Enttäuschung. Professor Vitouch ist nicht da. Und noch schlimmer: das Sekretariat ist nicht einmal besetzt. Die Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch und Donnerstag, 10 bis 12 Uhr. Großzügig.
Wie kam es dazu? Nachdem das Haus in der Schopenhauerstraße vor einigen Jahren komplett aus den Nähten platzte, waren zusätzliche Räume in der Theresiengasse (gleich neben dem Institut) angemietet worden. Später kam auch die Lammgasse (schon etwas weiter weg) dazu.
Ein wenig Erleichterung brachte die Einführung von Zugangsbeschränkungen. Allerdings: „Die Hörsäle am Publizistik-Institut sind noch immer überfüllt“, sagt Birgit Brieber, Studentin im neunten Semester. Aus Platzmangel würden Seminare mit 30 Teilnehmern etwa im dafür viel zu engen PC-Raum abgehalten.
Auch die Online-Anmeldung zu Lehrveranstaltungen habe die Situation nur oberflächlich entspannt. „Da gilt die Ellbogentechnik. Wer den schnellsten Internetzugang hat, bekommt einen Platz.“ Mittlerweile werden sogar schon Video-Aufzeichnungen von einigen Lehrveranstaltungen zum Herunterladen angeboten. „Das nutzen scheinbar viele, die Reihen haben sich ziemlich geleert“, sagt Maria Oberrauch, Studentin im ersten Semester. Doch bei Übungen und Seminaren muss man trotzdem auf die Uni, wie auch zu Sprechstunden und in die Fachbibliothek. Und das ist mit viel Bewegung verbunden: „Man muss zwischen den einzelnen Standorten ziemlich viel pendeln“, meint Oberrauch. Hier ist Koordination gefragt. Und Geschwindigkeit, denn immer wieder beginnt eine Lehrveranstaltung genau zu jenem Zeitpunkt, an dem eine andere an einem anderen Standort endet.
Ein neues Haus ab 2010
Doch das Ende des kollektiven Wanderns ist in Sicht. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die Publizistik übersiedeln wird. Wo heute noch eine Baulücke klafft, soll im August 2010 ein neues Gebäude bezogen werden, in dem alle Teile zusammengefasst werden. Lediglich für große Einführungsveranstaltungen wird man weiter in das Audi Max ausweichen.
Bei Studenten und Lehrenden herrscht darüber Freude. Institutsvorstand Haas schwärmt schon von Synergien bei der Ausstattung der Räumlichkeiten, in die auch die Fakultät für Informatik einziehen wird. Auch auf Seiten der Studentenvertreter zeigt man sich erfreut. „Die Frechheit ist, dass es so lange gedauert hat“, sagt Paul Dirnberger von der IG Publizistik.
Die Studenten selbst nehmen den Umzug locker. Bei einer (wegen der geringen Fallzahl natürlich nicht repräsentativen) Umfrage im Webforum der Publizistik ist der Tenor klar: „Bis zum Umzug bin ich ohnehin schon fertig.“ Bis dahin müssen aber noch einige Kilometer zurückgelegt werden.
AUF EINEN BLICK
Studenten der Publizistik müssen zwischen mehreren Standorten pendeln. Das Institut in der Schopenhauerstraße umfasst Sekretariat, Bibliothek und Hörsäle; einige Lehrende sind in der Theresiengasse untergebracht, andere in der Lammgasse.
Ab August 2010 soll es nur mehr einen Standort geben. In der Währinger Straße 29-31 wird ein Gebäude errichtet, in das Publizistik und Informatik einziehen sollen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2007)