Christian Hoffmann ist Österreichs einziger Hoffnungsträger in der Loipe. Er will seine Vorbildrolle bis 2011 erfüllen, ein durchaus schwieriges Unterfangen.
SALZBURG/WIEN. Österreichs Langlauf-Wunder hatte 1998 bei den Olympischen Spielen in Nagano seinen Lauf genommen. Der Medaillensegen riss auch bei der WM in Ramsau 1999 nicht ab, er führte zu Staffel-Gold und Christian Hoffmann 2002 zu Olympia-Gold. Dann aber kamen die Doping-Affären und das Theater rund um Trainer Walter Mayer, die Euphorie rund um die Loipenstars wurde schlagartig schwächer. Und nach Turin blieben nun ein ramponiertes Image und ein Spar-Budget übrig. Denn der ÖSV zog die 700.000 €, die er als Strafe an das ÖOC überwiesen hat, von den Sparten Biathlon und Langlauf ab.
15.000 Kilometer pro Jahr
Mit der nationalen Begeisterung für den Langlauf verschwanden offensichtlich auch die großen Hoffnungen, denn hinter Hoffmann, 32, klafft ein enormes Loch im Athletenbereich. Zwei, wenn nicht sogar drei Generationen gingen im Kampf um Erfolg verloren. Sei es, weil Sportler umgeschult wurden zu Biathleten wie Sumann, Mesotitsch oder Pinter oder Nachwuchsläufer ob fehlender Perspektiven oder den Skandalen aufhörten. Langlauf sei eben härter als Biathlon, verzeihe keine Fehler. Außerdem müsste nicht gar so viel trainiert werden und zur Verdeutlichung der Dimension nannte der Vollprofi seine jährliche Kilometerleistung: Es sind stolze 15.000 km. So manche Kleinfamilie fährt weniger – mit ihrem Auto...
Der letzte Ausnahmekönner
Hoffmanns Ehrgeiz ist ungebrochen, er will es sich und allen anderen beweisen. „Und mit Erfolgen auch Werbung für diesen Sport machen. Was gibt es denn Schöneres, als sich zu bewegen?“
In dieser Weltcup-Saison muss er als Alleinunterhalter durch die Loipen laufen. Tauber, Botwinow oder Eder sind nicht mehr dabei, und weder Pinter, die Sprinter Wurm und Stockinger noch Katerina Smutna schaffen es, Schritt zu halten. Und für die Junioren Bader, Reiter, Herburger oder Dürr ist „die Zeit noch nicht reif. Die brauchen noch zwei, drei Jahre“, sagt Hoffmann und räumt im selben Atemzug ein, dass er auch sich diesen zeitlichen Spielraum noch gibt. Die Spiele in Vancouver (2010) nehme er noch mit, ebenso die WM am Osloer Holmenkollen 2011. Dann sei Schluss, dann werde sich zeigen, was er mit seinen Siegen verändert hat in Österreich. Ganz allein auf sich wollte er aber die Entwicklung des österreichischen Langlaufs nicht konzentriert wissen. „Man muss es wollen, nicht müssen. Ich kann nur das Beste aus mir herausholen, es vorzeigen – aber nicht mehr.“
Um „wettbewerbsfähig“ zu bleiben, wechselte der 32-Jährige sogar die Technik, der einstige Skating-Spezialist beweist auch im klassischen Stil, dass er zur Weltspitze gehört. Das belegt der 13. Platz in Davos, das sollen auch Ergebnisse bei der „Tour de Ski“ mit Stationen in Nove Mesto (ab 28. Dezember), Prag, Asiago und Val di Fiemme bestätigen. Hoffmann verglich seine Situation mit der eines klassischen Abfahrers. „Die sind auch vom Aussterben bedroht – Allrounder sind gefragt.“
Wer weiß, vielleicht verhilft Christian Hoffmann mit dieser für ihn radikalen Umstellung ja einem jungen Talent zu dem Entschluss, Langläufer werden zu wollen. Wer, wenn nicht er, sollte es sonst schaffen? Sonst hat Österreich ja keinen Ausnahmekönner mehr in der Loipe...
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2007)