Sieben Trainer aus Österreich arbeiten für den deutschen Skiverband. Stefan Horngacher soll jetzt sogar Peter Rohwein als Cheftrainer ablösen.
WIEN/HINTERZARTEN. Deutschland sucht seinen Schanzen-Superstar. Doch die Zeiten, in denen Martin Schmitt oder Sven Hannawald mit ihren Seriensiegen und RTL-Auftritten Teenager begeisterten wie Popstars, sind längst vorbei. Der Absturz war vorprogrammiert, als Hannawald zurücktrat, Schmitt in die Krise plumpste und seit drei Jahren einfach kein Nachfolger auftauchen wollte. Nun ist endgültig Feuer am Dach des deutschen Skiverbandes, Springertrainer Peter Rohwein ist vor der Vierschanzentournee schwer „angezählt“.
Nun soll es ein Österreicher richten: Der Tiroler Stefan Horngacher gilt als Top-Kandidat auf diesen Posten. Er könnte Rohwein schon vor, spätestens aber nach der Vierschanzentournee „beerben“. Vom DSV gab es zu diesem Gerücht vorerst „keine Stellungnahme“. Doch nachdem der ehemalige Skispringer Dieter Thoma in einer TV-Sendung offen Rohweins Entlassung („Drei Jahre sind genug!“) gefordert und auch „Bild“ das Thema „Suppenhühner“ aufgegriffen hat, erfolgte zumindest bereits eine erste Reaktion: Am Wochenende steht beim Weltcup in Engelberg der Österreicher Falko Krismayr neben Rohwein (Thoma: „Er ist ein Miesepeter!“) auf dem Trainerturm. Als Unterstützung, sicher ist sicher. Eine Ablöse scheint der Weisheit letzter Schluss.
Bereits Heim-Trainer von Martin Schmitt
Deutschland setzt schon seit vielen Jahren auf Entwicklungshilfe aus Österreich. Denn sieben österreichische Trainer arbeiten bereits für die DSV-Skispringer, es sind: Stefan Horngacher (Hinterzarten), Heinz Kuttin (Oberhof), Heinz Kuttin (Willingen), Bernhard Metzler (Oberstdorf), Falko Krismayr, Andreas Mitter (Garmisch) und Florian Eichinger (Ruhpolding). Eine Tatsache, die Toni Innauer sogar mit Stolz erfüllt. „Es ist ein Zeichen dafür, dass unsere Arbeit, unser System passt.“ Österreich habe das beste Schanzen-Know-how der Welt.
Dass Horngacher, 38, ein heißer Tipp sei, davon habe Innauer gehört. Für „Steff“ spreche, dass er bereits seit zwei Jahren Heim-Trainer von Schmitt sei, der durchaus noch über genügend Strahlkraft verfüge, um nach Reinhard Hess auch den zweiten Trainer „abzuschießen“. Rohwein hatte den chronisch formschwachen Athleten zuletzt zum „Vorspringer“ degradiert. Eine vermutlich folgenschwere Fehlentscheidung.
Dass die deutschen Adler in Engelberg die Siegesserie von Thomas Morgenstern beenden werden, scheint ausgeschlossen, an dieses Weihnachtswunder glaubt beim DSV ohnedies niemand. Für die Vierschanzentournee (ab 29. Dezember in Oberstdorf) erhofft sich der DSV jedoch eine Trendwende. Bleibt sie aus, droht der totale Flop – ohne Stars, Show und ohne Siege kommen keine Zuschauer.
NEUER DSV-CHEFTRAINER?
Am Schanzentisch brodelt derzeit gewaltig die Gerüchteküche. Cheftrainer Peter Rohwein ist schwer „angezählt“, er könnte noch vor der Tournee durch den Tiroler Stefan Horngacher (Bild) ersetzt werden.
Am Wochenende steht in Engelberg bereits der österreichische Co-Trainer Falko Krismayr mit Rohwein am Trainerturm. [APA]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.12.2007)