Ihr starkes Engagement in Osteuropa bewahrt Österreichs Finanzinstitute vor gröberen Verlusten durch die US-Subprime-Krise, sagt OeNB-Gouverneur Klaus Liebscher.
wien (dom). Die Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten sind noch lange nicht ausgestanden. Über den Jahresultimo dürfte die Liquiditätsknappheit, die auch die Geldmarktzinsen nach oben treibt, eher noch zunehmen. Die Krisenfestigkeit des österreichischen Finanzsystems ist dennoch „nach wir vor hoch“, sagte Klaus Liebscher, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), am Mittwoch vor Journalisten.
Die US-Subprime-Krise, die auch so manche europäische Großbank schwer getroffen hat, haben die österreichischen Banken vergleichsweise mit einem blauen Auge überstanden. Insgesamt sind sie mit rund 935 Mio. Euro in diesem Bereich engagiert. Das entspricht 0,1 Prozent ihrer Bilanzsumme oder 2,2 Prozent ihres Kernkapitals. „Das ist nicht gefährdend,“ meint OeNB-Direktor Josef Christl.
Indirekt wird die von den USA ausgehende Kreditkrise, die mittlerweile weltweit spürbar ist, aber doch deutliche Spuren in den heimischen Bankbilanzen hinterlassen. Allein im dritten Quartal 2007, als die Subprime-Krise ausbrach, fielen 600 Mio. Euro an Wertberichtigungen für Wertpapiere an, um 30 Prozent mehr als im Vergleichsquartal 2006. Gleichzeitig brach das Handelsergebnis, das in guten Jahren die Bilanzen der Großbanken teilweise kräftig auffettet, um satte 45 Prozent ein. Laut Christl setzt sich dieser Negativtrend auch noch im vierten Quartal 2007 fort.
Überproportionale Gewinne
Vor einem stärkeren Einbruch durch die Subprime-Krise hat die heimischen Banken ihr starkes Engagement in Zentral- und Osteuropa (siehe Grafiken) bewahrt, wo die Gewinne weiterhin kräftig sprudeln. Mittlerweile steuern die Osttöchter der heimischen Banken 42 Prozent der Gewinne bei, bei der Bilanzsumme liegt ihr Anteil bei rund einem Viertel.
Da sich der Schwerpunkt der Expansion immer mehr Richtung Südosteuropa sowie in die GUS-Staaten verlagert, steigt mit den Renditen auch das Risiko, so Christl. Darauf habe auch der Internationale Währungsfonds hingewiesen, der vor kurzem Österreichs Finanzsystem unter die Lupe genommen und ihm per Saldo ein positives Zeugnis ausgestellt hat.
Seit 2002 haben die heimischen Banken laut OeNB ihre Ertragskraft deutlich verbessert. Bei den Kosten wurde der Sparstift angesetzt. Damit und durch die guten Ergebnisse der Osttöchter konnte die weiter schrumpfende Zinsspanne mehr als kompensiert werden. Bei einem stärkeren Konjunktureinbruch könnte es allerdings zu Problemen kommen.
FW-Kredite werden „exportiert“
Wenig Freude haben aus Risikoüberlegungen sowohl die Notenbank als auch der Internationale Währungsfonds mit den in Österreich so beliebten Fremdwährungskrediten. 2007 war hier allerdings bereits ein Trendwende zu beobachten, der Anteil der Kredite in Franken, Yen & Co. sank auf 28 Prozent. Finanzierungen in fremder Währungen werden von Österreichs Banken auch nach Osteuropa „exportiert“. Vor allem in Ungarn, Kroatien und Rumänien nehmen zahlreiche Firmen und Privatpersonen Kredite nicht in Landeswährung, sondern in Euro oder Dollar auf.
AUF EINEN BLICK
Österreichs Banken sind massiv in Osteuropa engagiert. Im Gegenzug haben sie nur relativ kleine Beträgen an US-Subprime-Krediten in ihren Büchern.
Fremdwährungskredite gehen in Österreichs leicht zurück, werden aber von Austro-Banken nach Osteuropa „exportiert“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.12.2007)