Bei Christie's kommen 35 Werke der Sammlung Wohl unter den Hammer.
Er lebte nicht (nur) einen angloamerikanischen, sondern auch einen philanthropischen Traum: Maurice Wohl, 1923 als Sohn armer osteuropäischer Einwanderer in East London geboren, stieg schon in jungen Jahren ins Immobiliengeschäft ein und zog als Pionier im Nachkriegslondon ultramoderne Bürohäuser hoch, die er nach und nach auch von Künstlern wie Barbara Hepworth ausstatten ließ. Sein „United Real Property Trust“ machte ihn zum Multimillionär, Mitte der 70er Jahre schon konnte er sich in die Schweiz und nach Tel Aviv zurückziehen.
Die Zeit nutzten er und seine Frau Vivienne für unzählige Charity-Aktionen, vor allem Einrichtungen in Israel wurden von dem prominenten Stifter-Paar mit Millionen bedacht. Aber, vor allem nach seiner Hochzeit 1966, wurde über 40 Jahre lang auch Kunst gesammelt. Besonders die kräftigen Farben der Nabi, der Expressionisten und Fauvisten stachen Vivienne Wohl ins Auge. 35 dieser Werke kommen jetzt Anfang Februar, nachdem vergangenen Juli auch Maurice seiner 2005 verstorbenen Frau gefolgt ist und das Paar kinderlos geblieben war, bei Christie's unter den Hammer.
Alles für die Philanthropen-Stiftung
Geschätzte zwölf Millionen Pfund sollte die Auktion für die Wohlsche Philanthropen-Stiftung bringen. Darunter befinden sich Werke von Camille Pissarro, Emil Nolde, Chaim Soutine, Kees van Dongen und Alexej von Jawlensky. Von letzterem stammen zwei Top-Lose der Auktion, ein Porträt seiner späteren Frau Hélène, aus dem von ihm als größtes Jahr seiner Karriere proklammierten 1911, (Schätzpreis 1,7 bis 2,5 Mio. Pfund). Und, aus demselben Jahr, das Mädchen mit roter Schleife (1,8-2,5 Mio. Pfund). Von besonderer Intensität, einen Höhepunkt des Fauvismus markierend, ist aber Kees van Dongens „Anita mit Blumen” von 1905, in dem eine sich windende Künstlermuse und Pariser Tänzerin ekstatisch ihren Erfolg genießt (1,2 bis 1,8 Mio. Pfund).
Christie's Modern and Impressionist Auction, 4./5. Februar
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.12.2007)