Der Mentalcoach. Adi Pinter, der ehemalige Fußball-Trainer und weiterhin extrovertierte Sprücheklopfer, hilft Fürstenfelds Basketballern. Er motiviert, inspiriert und „stänkert“.
FÜRSTENFELD/WIEN. „Es gibt zwei Prozent Genies und 98 Prozent Naturdeppen!” Mit dieser Aussage schockte einst der Fußballtrainer Adi Pinter die Nation. Während der Großteil der Bevölkerung trotzdem herzhaft lachte, stieß Pinter damit anderen tief ins Herz. Neben markanten Sprüchen wurde auch die rote Krawatte zum Markenzeichen des GAK- und Sportclub-Trainers. Doch der Profi-Sport macht auch vor Überlebenskünstlern nicht halt und Pinter verschwand für lange Zeit von Österreichs Bildfläche.
Nun tauchte der „Zauberer“, wie ihn Ernst Happel taufte, wieder auf. Mit Harald Fischl holte ihn ein ehemaliger GAK-Weggefährte zurück zum Sport. Pinter steht nun mindestens bis Saisonende den Fürstenfeld-Basketballern mit seinen Ratschlägen zur Seite. Den ersten Erfolg feierten die steirischen Panther bereits: Der Klub steht nach dem 82:68 gegen Wels im Cup-Final-Turnier.
„Kein Hokuspokus!“
„Natürlich lassen sich Basketballer und Fußballer nicht vergleichen“, sagt Pinter und betont, dass er mit der Mannschaft perfekt zusammenarbeite. Zu Beginn seiner Tätigkeit habe er noch Team-Phänomene vermisst, die zu einer „jämmerlichen Vorstellung“ gegen Kapfenberg führten. Nun aber, nach einer „intensiven Klausur“ zeigen die Basketballer, dass sie Pinter verstanden haben. Das Ball-Schupfen sei vorbei, er predige ja schließlich „keinen Hokuspokus“.
Über inhaltliche Maßnahmen und Übungen schweigt sich der Mentalcoach eisern aus, das gehe nur die Mannschaft und ihren Präsidenten etwas an. Man könne aber getrost davon ausgehen, dass einer, der einst ein ganzes Land provozierte, auch die richtigen Worte für eine Basketball-Mannschaft finden dürfte. Außerdem arbeitet einer wie Adi Pinter nur mit „Gehirnbenützern“ zusammen.
Ein Denkmal für Hickersberger
A la longue will Adi Pinter freilich zurück ins Fußball-Geschäft. Die große Bühne reizt ihn, er spüre, wieder für die erste Reihe bereit zu sein. Und nur allzu gern hätte der Happel-Schüler dieser Tage einen Klub in der Bundesliga, sagt er beinahe anklagend, warum sich noch kein Verein gemeldet hat.
Vieles habe sich seit seiner Zeit beim GAK (87-88, 89-90) verändert, leider nicht zum Positiven, wie Pinter findet. „Ich kann nicht nachvollziehen, was da in Österreich passiert. Hier spielen Legionäre, die in anderen Ländern nicht einmal auf der Bank sitzen dürfen. Dafür haben junge Talente, und die gibt es sicherlich, keine Chance, Hoffnung, keine Zukunft!“ Da stimme doch irgendetwas nicht...
Vor zwanzig Jahren schon, erinnert sich Pinter, habe er die Einführung eines Legionärslimits und des Halb-Profitums in Österreich gefordert. „Das wäre sinnvoller gewesen“, der Zustand des Bundesliga-Fußballs von heute würde es deutlich belegen. Das sei eine Tendenz, die ihn auch für die Euro 2008 absolut skeptisch stimmt. „Der Hickersberger tut mir leid, der ist arm. Der soll aus diesen Kickern ein Team formen und womöglich auch noch Europameister werden. Wie soll das gehen? Da schreiben ein paar Journalisten wider besseren Wissens. Die kriegen doch gegen Kroatien, Polen und Deutschland die Hütte voll! Wenn sie ein Tor schießen oder einen Punkt machen bei der Euro, muss Österreich dem Hickersberger ein Denkmal setzen. Ein Denkmal!“
Zuckerbrot, Zucht, Ordnung
Aber nicht nur die Spieler, sagt Pinter, hätten sich verändert, auch die Trainer. Zu Zeiten eines Ernst Happels spielte es „Zuckerbrot und Peitsche“, heute geben zu viele „Abklatscher“ die Kommandos. Nicht so bei Sturm Graz, da leiste Franco Foda einen tollen Job, da „ist Zucht und Ordnung drin. Das sieht man sofort.“ Kompetenz müsse mit Respekt einhergehen, Funktionäre und Trainer müssten sich ihrer Verantwortung bewusst sein. Und nicht einen Klub ruinieren, wie es beim GAK geschehen ist. „Damit hat man der Jugend wieder eine Vision genommen“, sagt Pinter. Das sei das eigentliche, wahre Drama, das hinter dieser Geschichte steht. Da könne selbst ein Mentalcoach nur noch den Kopf schütteln.
ZUR PERSON: Adi Pinter
Der heute 59 Jahre junge Pinter erreichte Ende der 80er-Jahre als Trainer großes Aufsehen, er betreute Marseille, GAK, den Sportklub, Waterschei (Bel), Panahaiki (Grie) und Brynäs (Schweden).
Heute ist Pinter als Mentalcoach aktiv und installierte auf Schloss Hohenwald nahe Bayreuth seine „Total-Coaching“-Zone. Bis Saisonende arbeitet er jetzt für seinen Freund Harald Fischl und Fürstenfelds Basketballer (Bild). [GEPA]
Die rote Krawatte hat der Familienmensch (Frau Grace, drei Kinder) aber längst abgelegt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.12.2007)