Los Angeles. In Woche sieben im Streik der Drehbuchautoren aus Hollywood sind plötzlich auch die Golden Globes-Verleihung und die Oscar-Nacht in Gefahr.
Stellen Sie sich vor, es ist Oscar-Nacht und keiner geht hin. Etwas Schlimmeres kann in Hollywood eigentlich kaum passieren. Aber es kann. Zum Beispiel in wenigen Wochen.
Wenn sich nämlich die 21.000 gewerkschaftlich organisierten Screen Writers nicht bald mit den Film- und Fernsehproduzenten einigen, dann wird es auch niemanden geben, der den Text für die 80.Verleihung der Academy Awards schreibt, die am 24. Februar stattfindet. Die Writers Guild of America (WGA) hat ihren Mitgliedern vorerst einmal strengstens verboten, Gags und Ankündigungstexte für die (stundenlange) Oscar-Gala und die Golden Globes zu schreiben.
Deshalb ist vor allem die Foreign Press Association nervös, die jedes Jahr die Golden Globes verleiht. Und das auch im kommenden Jahr gerne tun würde, nämlich schon am 13. Jänner 2008. Dass der mittlerweile sieben Wochen andauernde Streik bis dahin niedergelegt sein wird, hält in Los Angeles aber kaum noch jemand für realistisch. Ein Sprecher der Drehbuchgewerkschaft erzählte am Dienstag schon von den Ideen für die Golden Globes. Man plane eine Streikpostenkette rund um das Beverly Hilton Hotel – und hoffe auf möglichst viele leere Sitzplätze, auf denen sonst die Stars sitzen und in die Kameras lächeln.
Sowohl die Oscars als auch die Globes könnten gegebenenfalls auch von schlagfertigen Entertainern aus dem Stegreif moderiert werden. „Das werden sie aber nicht machen“, sagt David Schalko, österreichischer Regisseur und unter anderem Drehbuchschreiber für die Nestroy Gala, den heimischen Theater-Oscar sozusagen. Das würde einem Streikbruch gleichkommen und die Autoren bloßstellen. Komiker Jon Stewart, der heuer eigentlich durch den Oscar-Abend führen sollte, dürfte zwar als als Moderator auftreten, er kann seine Gags aber nicht einmal selber schreiben, weil er WGA-Mitglied ist.
Und tatsächlich, die Schauspieler haben sich bis jetzt sehr solidarisch mit ihren Textlieferanten gezeigt. Eva Longoria von „Desperate Housewives“ brachte Pizza, Robin Williams bestrich Sandwiches, Sean Penn erklärte in einem Videoclip, warum den Schauspielern ohne Drehbücher die Worte fehlen. Einige Stars kündigten bereits an, sie würden gerne zu den Preisverleihungen gehen, wenn der Streik aber nicht beigelegt werde, würden sie aber sicher nicht erscheinen.
Nur David Letterman und Jay Leno, die beiden Late-Night-Könige des amerikanischen Fernsehens, wollen ab dem 2. Jänner wieder Sendungen machen. Derzeit werden anstelle aktueller Sendungen Wiederholungen gezeigt, in denen beispielsweise George Clooney als der neue Star der Serie „Emergency Room“ angekündigt wird.
Schalko hält es aber zumindest für wahrscheinlich, dass längst mehrere Autorenteams an den Globe- und Oscar-Texten arbeiten, sie aber so lange zurückhalten bis der Streik beendet ist. Die Situation erinnert stark an die Zeit vor der Oscar-Zeremonie 1988. Damals hatten die Hollywood-Autoren bereits fünf Monate lang gestreikt. Kurz vor der Preisverleihung einigte man sich schließlich doch, die Gewerkschaft hatte die Oscar-Verleihung erfolgreich als Druckmittel genutzt.
Die Fronten scheinen diesmal aber bereits so verhärtet, dass eine Einigung – zumindest bis zu den Golden Globes – für ziemlich ausgeschlossen gilt. Sogar die „New York Times“ sieht die Sache sehr pessimistisch, und meinte unlängst: „Der rote Teppich ähnelt schön langsam verbrannter Erde.“
AUF EINEN BLICK
Der Streik der Drehbuchautoren in Hollywood hält seit 5.November an. Auch viele Schauspieler gehen für die Rechte der Screen Writers auf die Straße, wie Robin Williams, David Duchovny, Sean Penn und Eva Longoria. Auch die Oscars und die Golden Globe-Verleihung sind von dem Streik gefährdet.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.12.2007)