Handel profitiert nicht von Tagestouristen, die per Bus anreisen.
WIEN.Dass Tagestouristen aus dem Osten an den Adventwochenenden Wien stürmten, war mit freiem Auge erkennbar. Doch wer glaubt, die Gäste würden dem Handel große Zuwächse bescheren, irrt. „Derzeit ist das nicht das große Geschäft“, sagt Fritz Aichinger, Obmann der Sparte Handel der Wiener Wirtschaftskammer. Das liege daran, dass die Kaufkraft der Ost-Touristen noch gering sei. Zudem würden sie vor allem Sehenswürdigkeiten – etwa Schloss Schönbrunn besuchen. Oder Weihnachtsmärkte.
Der Handel profitiere von alldem nur wenig, meint der Spartenobmann. Dennoch sieht er den Zustrom von Tagestouristen positiv. „Man muss die Menschen an die Stadt gewöhnen“, so Aichinger. Bei den ersten Besuchen schaue man sich eben Sehenswürdigkeiten an, später gebe man vielleicht auch in den Geschäften mehr Geld aus.
Aus langfristiger Sicht, meint Aichinger, sei es daher notwendig, die Menschen ins Land zu holen und dabei möglichst viele Barrieren abzubauen. Das Wiener Buskonzept, das die Zufahrt ins Zentrum kontingentiert, betrachtet er als eine solche: „Man hätte mehr Möglichkeiten für Busse schaffen sollen.“ Und der Bedarf ist vorhanden: Rund 750 Busse wurden am vergangenen Einkaufssamstag in Wien gezählt.
Bekleidung und Schmuck für Russen
Abseits des Tagestourismus läuft das Geschäft mit Gästen aus dem Osten gut. Es sind vor allem Besucher aus Russland und den anderen GUS-Staaten, die auch einige Tage in Wien bleiben. Allein rund 3,1 Millionen Euro ließen Gäste aus Russland im November in den Wiener Handel fließen, berichtet Global Refund, das die Mehrwertsteuerrückerstattung für Nicht-EU-Mitgliedsländer koordiniert. Fast 900.000 Euro ließen Gäste aus der Ukraine in Wien, rund 420.000 gaben serbische Touristen aus. Der Löwenanteil davon wurde für Bekleidung ausgegeben, auf dem zweiten Platz folgt Schmuck. Durchschnittlich lässt jeder russische Gast in Wien 538 Euro.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.12.2007)