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Die Rache war süß – für den SPÖ-Apparat

Eine Privatklage Franz Vranitzkys vernichtete Pretterebner beruflich und gesundheitlich.

Die Rache der SPÖ-Apparatschiks an Hans Pretterebner kam spät. Und sie war grausam. Er hatte eine Unvorsichtigkeit begangen und im Wahlkampf '95 in seinem „TOP-Magazin“ eine gefälschte Annonce des Parteichefs Franz Vranitzky abgedruckt. Ganz wie in den echten SPÖ-Inseraten verkündete da der Kanzler: „Ich werde dafür sorgen, daß mir niemand meine 5-Millionen-Pension wegnimmt. – Meine Hobbies sind sehr teuer. Ich reise gern. Auch meine Frau stellt hohe Ansprüche an mich. Sparen ist ja gut und schön. Aber man muß dabei sozial gerecht vorgehen. Daher werde ich nicht zulassen, daß ich mir das Golfspielen nicht mehr leisten kann.“ Unterschrift: Vranitzy. Dazu ein Konterfei des Kanzlers.

Und das war auch schon Pretterebners Fehler. „Vranz“ klagte. Nicht wegen des Textes, sondern weil sein Bild ohne Zustimmung gedruckt wurde. Das gefälschte Inserat wurde zum „Selbstläufer“, Dutzende Genossen riefen in der Löwelstraße an und brüllten ins Telefon, ob in der Zentrale jetzt schon alle deppert geworden seien.

Das Handelsgericht erließ eine Einstweilige Verfügung: Verletzung von Vranitzkys Recht auf das eigene Bild, Vernichtung aller Exemplare des Magazins durch den Verlag. Bei Nichtbefolgung Geldstrafe in Höhe von 160.000 Schilling. Und zwar täglich.

Vranitzkys Anwälte fanden tatsächlich täglich bei irgendeinem Zeitungsstand noch ein Exemplar. Und so setzte es mit schöner Regelmäßigkeit täglich weitere S 160.000. Pretterebner glich dem Ritter Winkelried, schrieb im nächsten Magazin „Metternich lässt grüßen“, druckte das „Inserat“ mit einem schraffierten Umriss statt des Vranitzky-Bildes ab – und wurde wieder verurteilt. Am Schluss hatte Pretterebner ein Strafkonto von 6,5 Millionen beisammen.

Im Herbst 1997 wurde er gepfändet. Der Oberste Gerichtshof hob das Urteil im August 1998 zwar auf, Pretterebner bekam auch Geld zurück, doch 1,5 Millionen waren für die Anwälte drauf gegangen. Eine Privatklage gegen Vranitzky konnte er nicht mehr anstrengen, denn da lag er schon in der Intensivstation: Unerklärliche Schlucklähmung, dann eine Augenlähmung, es folgten Rehabilitation, Rollstuhl, Krücken.

Heute hat er sich halbwegs erfangen. Gesundheitlich. Er raucht schon wieder. Soll man da sagen, Gott sei Dank?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.12.2007)