Irland zahlt 750 Mio. Euro an Missbrauchsopfer der Kirche

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)

Ein bis in die 30er Jahre zurückreichender Missbrauchs-Skandal erschüttert das tief katholische Irland. Die Zahlungen könnten noch auf 1,3 Mrd. Euro ansteigen.

Irland hat Opfer von Missbrauch in staatlich finanzierten Kindereinrichtungen in den vergangenen fünf Jahren mit insgesamt 750 Millionen Euro entschädigt. Die Zahlungen gingen an Menschen, die als Kinder in kirchlich geführten Schulen, Heimen und Krankenhäusern sexuell, körperlich oder seelisch misshandelt wurden, wie der 2002 eingerichtete Entschädigungsfonds RIRB am Freitag mitteilte.

Parallel ermittelt die irische Justiz in dem bis in die 30er Jahre zurückreichenden Missbrauchsskandal. Nach Darstellung der Opfer kam es in früheren Jahrzehnten in Kindereinrichtungen zu häufigen Übergriffen durch Geistliche und andere Angestellte der Kirche.

Im Oktober hatte sich das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche in Irland, Erzbischof Sean Brady, für die "entsetzliche Sünde" an den Jungen und Mädchen in der Obhut irischer Priester öffentlich entschuldigt. In dem tief katholischen Irland hatte der Skandal große Bestürzung ausgelöst.

Die Regierung rechnet damit, dass die Entschädigungszahlungen noch auf 1,3 Milliarden Euro ansteigen können. Im Durchschnitt erhielt jedes Opfer bislang rund 67.000 Euro. 23 Menschen bekamen die Höchstsumme von 300.000 Euro zugesprochen. Auch Iren aus Deutschland, Australien, Frankreich, den USA, Kanada und Spanien wurden entschädigt.

In einem umstrittenen Abkommen zwischen dem irischem Staat und der katholischen Kirche wurden die von der Kirche zu leistenden Entschädigungen auf maximal 128 Millionen Euro festgesetzt. Was darüber hinaus geht, muss aus Steuergeldern bezahlt werden. (Ag.)