MODE. „Wabisabi“ sitzt locker, meidet aber engen Körperkontakt.
Das Kleid wird zum Mantel. Es könnte auch andersherum funktionieren. Das aber liegt ganz in der Alltagsentscheidung der Trägerin. Stefanie Wippel, die Designerin und Gründerin des jungen Labels „Wabisabi“, hilft der Metamorphose mit ein paar Handgriffen – Raffungen, Faltungen, Druckknöpfen – nach.
Die meisten Modelle, die Wippel in ihrem Shop-Atelier in der Lindengasse (Wien Neubau) entwirft und nachjustiert, fallen weich, sitzen locker, legen Falten, bilden Schichten. Nur wenn plötzlich Damen auftauchen, die ein Wabisabi-Kleid auf engsten Körperkontakt geschneidert haben wollen, müssen Kundin wie Designerin w.o. geben. Das geht einfach nicht zusammen.
Wippels Zugang zur Mode ist ein japanischer: weniger den Körper, als die Hülle, das Textil inszenieren. Dadurch ergibt sich automatisch mehr Volumen, mehr Stoff, um mit raffinierten Schnitten und neuen Silhouetten zu spielen. „Ein Ärmel muss nicht unbedingt dort sein, wo ein Ärmel hingehört.“ Solche Freiheiten hat sie bei einem Praktikum in Tokio kennen gelernt, und die verfolgt sie jetzt auch in Wien – nach einer Ausbildungs-Etappe in München.
„Wabi-sabi“ bedeutet, verkürzt gesagt, so viel wie stille Schlichtheit, Schönheit im Verborgenen. Tatsächlich sind die Basisteile, die man in Wippels Atelier findet, durchprobiert und sich anpassen lässt, keine vordergründigen Blickfänge, sondern Kleidungsstücke, die eine genauere Betrachtung einfordern: Unterkleider, ärmellose Oberteile mit hohem Kragen, fließende Jersey-Jacken oder weitere Hosen mit tieferem Schritt in einem begrenzten Farbkosmos; Schwarz, Weiß, nur ein kräftigeres Blau mischt noch mit – „obwohl ich nichts gegen Farben habe“. Auch eine Kollektion im herkömmlichen Sinn hätte sie keine. Aber eine überschaubare Zahl an Basismodellen, die jede Trägerin immer anders aussehen lassen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2007)