Skispringen: Heimliche und echte Favoriten

AP (Urs Flueeler)
  • Drucken

An Morgenstern führt bei der Tournee kein Flugweg vorbei. Doch auch Kofler, der in Engelberg stürzte, ist im Aufwind.

ENGELBERG. Der Sieg beim Weltcupspringen in Engelberg hätte sein Triumph werden sollen. Nach all den Rückschlägen, der Olympia-Enttäuschung 2006 (Gold um 0,1 Punkte gegen Morgenstern verpasst, Anm.) und einem hartnäckigen Formtief zum Saisonstart stand der Tiroler Andreas Kofler, 23, wieder ganz oben. Sein Sprung hätte diesmal zum Sieg gereicht, er wurde Samstag Zweiter, doch ein Sturz warf ihn aber komplett aus der Bahn. Er schlug vor Zorn in den Schnee, er heulte aus Enttäuschung Rotz und Wasser. Und während Andreas Küttel den Heimsieg „erbte“, neben ihm standen Schlierenzauer (2.) und Morgenstern (3.) auf dem Podest, schlich Kofler als Fünfter leise davon. Der sentimentale Sieger „floh“ schweigend ins Hotel.

„Was soll das?“, fragte sich Trainer Alexander Pointner, der den Anstieg von Koflers Formkurve mit großer Freude zur Kenntnis genommen hatte. Doch wenn ein Profi-Sportler nach einem Sturz weglaufe, stimme etwas nicht. „Ein Sturz gehört doch dazu. Er hätte sich ärgern sollen, wenn er Zweiter geworden wäre, weil er die Landung verpatzt hätte!“

Tournee-Kader steht fest

Pointner schien empört, denn er hat Kofler als „heimlichen Tournee-Favoriten“ auf der Rechnung. Dies hätte ihm der Athlet mit seinen zuletzt gebrachten Leistungen klar signalisiert. Natürlich liege Morgenstern bei Insidern oder Buchmachern klar vorne, doch wer, wenn nicht einer aus den eigenen Reihen sollte die größte Motivation mitbringen, es dem Himmelsstürmer zu zeigen?

Pointner, der bei der Tournee-Generalprobe sechs Springer in den Top 8 begrüßen durfte, gab bekannt, dass neben Morgenstern, Schlierenzauer, Loitzl und Kofler auch Koch, Fettner und Pauli für die Bewerbe in Oberstdorf (30. Dezember), Garmisch (1. Jänner), Innsbruck (4.) und Bischofshofen (6. Jänner) nominiert wurden. „Wir haben eine tolle Mannschaft, sie ist das Produkt unserer Springerkultur!“ Junge Sportler, die ihre Entwicklung gemeinsam erleben. Auch deshalb stürmten Morgenstern und Schlierenzauer zu Kofler, als dieser heulend im Schnee lag. Das ist der feine Unterschied zwischen Mensch und Maschine.

Ergebnisse: 1. Küttel (Sz) 252,7 (125,5/136) 2. Schlierenzauer 248,9 (124,5/136) 3. Morgenstern 246,6 (124,5/135) 4. Loitzl 246,3 (122,5/136) 5. Kofler 243,2 (130/139) 7. Fettner 238 (122/133) 8. Koch 236,9 (122/133,5) 28. Pauli 201,3 (117/121,5).

Gesamt-Weltcup: 1. Morgenstern 660 2. Schlierenzauer 429 3. Loitzl 300 4. Kofler 293.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2007)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.