Der Staat und seine Gagenkaiser

Wenn Unternehmen mit dem höchsten Zuschussbedarf die höchsten Managergagen zahlen, dann ist etwas faul.

Das Timing war gut, keine Frage: Mitten in die europaweite Diskussion, mit wie vielen Millionen sich die „fat cats“ in den europäischen Vorstandsetagen eigentlich bedienen dürfen und ab welcher (meist höher zweistelligen) Millionenabfindung im Falle des unehrenhaften Ausscheidens wegen Versagens das Ganze dann unmoralisch zu werden droht, platzt jetzt der Bericht des heimischen Rechnungshofs über die Managergagen in der staatsnahen Wirtschaft.

Ein schneller Blick zeigt: Verglichen mit internationalen Standards sind die Gagen heimischer „staatsnaher Manager“ niedrig. Die Jahresgagen, die hierzulande Lenkern von staatsnahen Großbetrieben bezahlt werden, dürften schon in den Führungsetagen mittelgroßer deutscher Familienbetriebe höchstens Mitleid auslösen.

Verglichen mit der „Benchmark“, die der Rechnungshof gesetzt hat, verdienen die staatsnahen Betriebslenker dagegen ziemlich üppig: Für die 273.600 Euro, die der österreichische Bundeskanzler im Jahr brutto verdient, setzt sich kaum ein staatsnaher Top-Manager an den Schreibtisch. Es ist finanziell einfach wesentlich attraktiver, irgendeine unnötige Untergesellschaft der ÖBB zu managen als die Republik Österreich.


Das ist betrüblich, aber auch nicht wirklich eine österreichische Spezialität: Politiker werden im Vergleich zu Unternehmensführern überall in der westlichen Welt schlecht bezahlt. Und so sieht, ganz nebenbei bemerkt, die Politik vielfach auch aus.

Der Rechnungshofbericht ist trotzdem ein Aufreger. Weil er, geht man ins Detail, sehr schön zeigt, wie die Politik und ihre Handlanger mit dem ihnen anvertrauten öffentlichen Vermögen umgehen.

Am Beispiel der Bundesbahn: Die ist ja vor einigen Jahren umstrukturiert worden. Jetzt gibt es nicht mehr ein Eisenbahnunternehmen, sondern eine Holding, die 13 Gesellschaften mit ebenso vielen Vorständen steuert. Das war notwendig, um die Bahn konkurrenzfähig zu machen, sagen ÖBB und Verkehrspolitiker. Das hat nur den Sinn gehabt, mehr als 20 schöne neue Top-Posten für politische Versorgungsfälle der damals schwarz-blauen Regierung zu kreieren, sagen Kritiker.

Wie auch immer: Was früher ein mittelmäßig bezahlter Abteilungsleiter „geschupft“ hat, macht jetzt ein höchst bezahlter, meist mehrköpfiger Vorstand. (Und den pragmatisierten Abteilungsleiter gibt es, wie man die Bahn kennt, wahrscheinlich auch noch immer).

Im Rechnungshofbericht nehmen jedenfalls die Geschäftsführer aller ÖBB-Töchter Spitzenpositionen ein. Und sie freuen sich noch dazu über die höchsten Gehaltssteigerungen: Der Geschäftsführer der ÖBB Dienstleistungsges.m.b.H. beispielsweise hat seine Gage von 2005 auf 2006 um satte 84,4 Prozent auf 448.200 Euro gesteigert und ist damit „Zuwachskaiser“ im staatsnahen Bereich. Nicht schlecht, wird wohl Chef eines wichtigen Teilunternehmens sein.

In der Tat: Die Dienstleistungsges.m.b.H. ist so wichtig, dass sie nach nur drei Jahren als erstes „Reformkind“ wieder aufgelöst wird. Wozu sie genau gebraucht wurde und wird (außer zur Schaffung von Managerposten), weiß die Bahn offenbar selbst nicht so genau: Ihre Aufgabe sei es, den Konzern „in zahlreichen Querschnittsfunktionen zu unterstützen“, heißt es offiziell. Sie soll konkret unter anderem „die Holding und ihre Töchter im Personalwesen unterstützen“.

Wow, das ist natürlich etwas anderes. Da ist eine Spitzengage wohl gerechtfertigt.

Im Ernst: Der Rechnungshofbericht ist natürlich ein Aufreger. Nicht, weil Super-Managern zu hohe Gagen gezahlt würden. Sondern weil er aufdeckt, wie hier im staatsnahen Bereich mit Versorgungsposten jongliert wird. Auf Steuerzahlerkosten, jawohl: Auch die Managergagen in den Bahn-Töchtern werden von den Steuerzahlern berappt, nachdem das Unternehmen nicht einmal in der Lage ist, auf dem Markt seine Personalkosten zu erwirtschaften.

Wenn wir also über Managergagen reden, dann sollten wir nicht populistische Vergleiche („verdient mehr als der Bundeskanzler“) ziehen, sondern die Angemessenheit der Gagen im Auge behalten. Gute Leute in wichtigen Unternehmen sollen gut verdienen. Sonst sind sie weg. Wenn aber die höchsten Gagensteigerungen in den Unternehmen mit dem höchsten Zuschussbedarf auftreten, dann ist etwas faul in der „staatsnahen Wirtschaft“.

Gagenkaiser Seite 17


josef.urschitz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2007)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.